Ernst Henning
* 1892
ERNST HENNING
MDHB 1928 – 1931 KPD
JG. 1892
HAMBURGER AUFSTAND
FLUCHT HOLLAND
VERHAFTET 1924
FESTUNGSHAFT
IN KIRCHWERDER VON SA
ERSCHOSSEN 14.3.1931
Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)
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© Privatarchiv Dreckmann
Das Bürgerschaftsmitglied Ernst Robert Henning wurde Opfer der gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen auf dem Höhepunkt der „Großen Krise“ zu Beginn der 1930er Jahre. 1931, zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtübernahme, wurde er von einem SA-Trupp, der eigentlich dem Bürgerschaftsmitglied und KPD-Funktionär Etkar André aufgelauert hatte, ermordet. Geboren am 12. Oktober 1892 in Magdeburg, erlernte Henning nach dem Besuch der Volksschule das Formerhandwerk. Er arbeitete in verschiedenen Gießereien, trat nach Abschluss seiner Lehre dem „Deutschen Metallarbeiterverband“ und noch vor 1914 der SPD bei.
Während des Ersten Weltkrieges war Henning Soldat an der Front. 1918 ließ er sich in Bergedorf nieder, wo er – inzwischen von der SPD zur USPD übergetreten – in den Arbeiter-und Soldatenrat gewählt wurde.
1919 engagierte er sich im „Proletarischen Freidenkerverband“, so dass als logische Konsequenz sein Übertritt zur KPD folgte.
In den 1920er Jahren war Henning in verschiedenen Hamburger Metallfirmen, u.a. bei „Jastram“, „Biermann & Christensen“ sowie „Wetzel & Freitag“ tätig.
Henning war maßgeblich am bewaffneten Aufstand der KPD vom 23. Oktober 1923 beteiligt. Nach umfangreichen Streiks im Hafen sollte der „Hamburger Aufstand“ den Startschuss für die Erhebung der Arbeiterschaft in Deutschland bilden. Die kommunistischen Kampfgruppen erstürmten 17 Polizeiwachen in der Stadt und in den umliegenden preußischen Gemeinden, bemächtigten sich der dort gelagerten Waffen und begannen sich gegen die anrückenden Polizeitruppen zu verschanzen.
In Bergedorf und Billstedt, wo Ernst Henning als einer der Leiter der Aktion in Erscheinung trat, brach der Aufstand aber schon nach mehreren Stunden zusammen. Allein in Barmbek, dem Zentrum der Erhebung, und in Schiffbek – hier hatten sich Teile der Bevölkerung den Aufständischen angeschlossen – dauerte es mehrere Tage, bis die Polizei Ruhe und Ordnung wiederhergestellt hatte. Henning wurde nach dem Scheitern des Aufstandes polizeilich gesucht, begab sich aber nicht wie zahlreiche seiner Parteifreunde in die Sowjetunion. Er floh zunächst in die Niederlande, kehrte nach Deutschland zurück und lebte vorübergehend in der Illegalität. 1924 wurde er verhaftet und als einer der „Rädelsführer“ des „Hamburger Aufstandes“ angeklagt. Das Hamburger Landgericht verurteilte ihn zu vier Jahren Festungshaft, die er teilweise in Gollnow verbüßte. Nach einer Amnestie wurde Ernst Henning 1927 vorzeitig aus der Haft entlassen.
Das Jahr 1927 markiert für Henning den Beginn seines parlamentarischen Wirkens und seines Aufstiegs in die Hamburger KPDFührung. Im Februar zog er als Nachrücker in die Bürgerschaft ein und wurde wenig später auch in das Bergedorfer Stadtparlament gewählt. Als „Politischer Leiter“ der KPD in den Bezirken „Bergedorf “, „Vierlande“ und „Lauenburg“ trat er noch im selben Jahr in die Leitung des KPD-Bezirkes „Wasserkante“ ein. Darüber hinaus war er führendes Mitglied im „Roten Frontkämpferbund“, der im Bezirk „Wasserkante“ seinem Freund Etkar André unterstand.
Bei den Doppelwahlen 1927/28 konnte Ernst Henning sein Mandat behaupten. Bis zu seiner Ermordung 1931 war er Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Hier machte er sich vor allem als Anwalt der Interessen des Hamburger Landgebietes und insbesondere Bergedorfs einen Namen. Wiederholt setzte er sich für eine Verbesserung der ländlichen Infrastruktur ein, so z.B. für den Bau weiterer Schulen und den Ausbau der Verkehrswege. Immer wieder verschaffte er auch den Interessen der Vierlander Gemüsebauern Gehör.
Henning gehörte zu jener Gruppe kommunistischer Bürgerschaftsabgeordneter, die sich an der Sacharbeit im Parlament beteiligten und diese nicht allein als Aufhänger für parteipolitische Agitation und Propaganda verstanden. Am 14. März 1931 wurde Ernst Henning bei der Rückkehr von einer KPD-Versammlung in Kirchwerder im Nachtbus bei Fünfhausen von SA-Männern des SA-Sturms 14 erschossen.
Er hatte anstelle seines Fraktionskollegen und Freundes Etkar André vor Gemüsebauern in Vierlanden gesprochen. Sein Begleiter, Louis Cahnbley, überlebte das Attentat schwer verletzt, eine weitere Businsassin, eine Lehrerin, kam mit leichten Verletzungen davon.
Der Mord löste starke Empörung in der Bevölkerung aus, so dass sich NSDAP und SA zunächst von der Tat distanzierten. Als sich nach der polizeilichen Ermittlung und Verhaftung der Mörder deren Zugehörigkeit zur SA herausstellte und sich zudem Anzeichen dafür ergaben, dass sie im Auftrag oder mit Billigung des NS-Gauleiters und späteren „Reichsstatthalters“ Kaufmann gehandelt hatten, veranlasste Hitler persönlich deren Verteidigung durch Hans Frank, dem ersten Anwalt der NSDAP. Die Täter wurden zu sieben bzw. acht Jahren Zuchthaus verurteilt, allerdings nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wieder freigelassen.
Die am 18. März, also vier Tage nach Hennings Ermordung stattfindende Bürgerschaftssitzung war von Tumulten und Handgreiflichkeiten zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten gekennzeichnet und deutete bereits an, dass die Mahnung des Bürgerschaftspräsidenten Leuteritz zur Bildung einer: „gemeinsame[n] Front aller sittlichen und ernsten Menschen [...] gegen die Verwilderung und gegen die Gewalttaten im politischen Kampfe“ bei den radikalen Parteien ungehört verhallen würden.
Der 38jährige Bürgerschaftsabgeordnete Ernst Henning hinterließ eine Frau und zwei Kinder. Auf der Überführung seines Leichnams von der an der Ecke Jarrestraße/Großheidestraße befindlichen Leichenhalle zur Einäscherung nach Ohlsdorf fand sich ein Trauerzug von etwa 30 000 Menschen ein. Die Erregung über den Mord entlud sich noch einmal im Anschluss an die Trauerfeier, als es in Barmbek zu heftigen Straßenschlachten zwischen Polizei und Demonstrationsteilnehmern kam. Beigesetzt wurde Ernst Henning in Bergedorf, wo heute eine Straße und eine Schule seinen Namen tragen.
Den Sitz Hennings in der Hamburger Bürgerschaft übernahm am 23. September 1931 dessen Witwe Marie Henning.