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Robert Löwenthal * 1877
Großneumarkt 38 (vorm. Schlachterstraße) (Hamburg-Mitte, Neustadt)
HIER WOHNTE
ROBERT LÖWENTHAL
JG. 1877
DEPORTIERT 1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 22.6.1943
further stumbling stones in Großneumarkt 38 (vorm. Schlachterstraße):
Hanna Aghitstein, Julie Baruch, Ludwig Louis Baruch, Helene Biskupitzer, Julius Blogg, Rebecca Blogg, Kurt Cossmann, Mathilde Cossmann, Frieda Dannenberg, Jenny Falck, Rosalie Falck, Leopold Falck, Alice Graff, Leopold Graff, Flora Halberstadt, Elsa Hamburger, Herbert Hamburger, Louis Hecker, Max Hecker, Marianne Minna Hecker, Lea Heymann, Alfred Heymann, Wilma Heymann, Paul Heymann, Alice Rosa Holländer, Gustav Holstein, Johanna Holstein, Ferdinand Justus, Ida Justus, Hannelore Justus, Jettchen Kahn, Adolf Kahn, Curt Koppel, Johanna Koppel, Bernhard Leiserowitz, Gertrud Leiserowitz, Hannchen Liepmann, Henriette Liepmann, Bernhard Liepmann, Heinz Lippmann, Johanna Löwe, Minna Meierstein, Marianne Melhausen, Martin Moses, Julius Pilatus, David Pollak, Adolf Julius Posner, Ida Prager, Anna Prager, Siegmund Rittlewski
Robert Löwenthal, geb. 9.9.1877 in Hamburg, deportiert am 24.3.1943 nach Theresienstadt, dort verstorben am 22.6.1943
Großneumarkt 38 (Schlachterstraße 46/47)
Die Eltern von Robert Löwenthal, der Buchhalter Lipmann Löwenthal (geb. 28.5.1851, gest. 8.4.1917) und Hanna/Johanna, geb. Hartmann (geb. 14.2.1855, gest. 25.10.1918), waren jüdischen Glaubens. Sie hatten am 16. Oktober 1876 in Hamburg geheiratet. Knapp ein Jahr später, im September 1877, war Robert in der 3. Elbstraße 3 (heute Neanderstraße) geboren worden, wo sein Großvater mütterlicherseits, Mendel Abraham, genannt Hartmann, eine Kleiderhandlung betrieb. Das Geschäft hatte Lipmann Löwenthal nach dem Tod seines Schwiegervaters im Jahre 1886 übernommen, war aber schon bald in seinen Beruf als Angestellter zurückgekehrt und mit seiner Familie in die Margarethenstraße 6 nach Eimsbüttel gezogen. Von Roberts jüngeren Geschwistern starben Albert (geb. 4.2.1879, gest. 19.8.1879) und Leopold (geb. 5.6.1881, gest. 11.6.1881) als Säuglinge, über John (geb. 10.6.1880) ist nichts bekannt. Die Schwester Sophie (geb. 20.10.1884, gest. 6.7.1972) heiratete am 18. Oktober 1920 den nichtjüdischen Eisendreher Emil Preusche (geb. 5.8.1885 in Bautzen), Robert fungierte als Trauzeuge.
Robert Löwenthal erlernte den Beruf seines Vaters. Er wurde Buchhalter und wohnte in der Kampstraße 40 im Stadtteil St. Pauli. Am 27. Februar 1920 heiratete er die ebenfalls jüdische Alma Polak, geb. Harrisson. Sie wurde am 28. März 1875 in Hamburg geboren und war die Tochter des Fabrikaufsehers Emil Harrisson (gest. 23.8.1884) und dessen Frau Sara, geb. Lesser (gest. 19.3.1893). Ihr Vater war in London zur Welt gekommen, wo der Großvater Joseph Selig Harrisson als Schirmmacher gearbeitet hatte.
Für Alma war es die dritte Ehe. Im Alter von 19 Jahren am 4. Dezember 1894 hatte sie den katholischen Schneider Franz Lis (geb. 1.3.1863) geheiratet. Die Ehe hielt nur vier Jahre. In zweiter Ehe heiratete sie am 15. Februar 1902 den jüdischen Hausmakler Wilhelm Polak (geb. 14.4.1872), die Ehe wurde 1912 geschieden (Wilhelm Polak nahm sich am 14. Juli 1942 mit Schlafmitteln das Leben, Stolperstein in der Feldstraße 38). Almas Tochter Gretchen (geb. 20.10.1894), auch Grete genannt, stammte aus einer vorehelichen Beziehung und erhielt 1902 den Familiennamen Polak. Gretchen Polak heiratete am 11. Juni 1920, kurz nach ihrer Mutter, den nichtjüdischen Möbelfabrikanten Hans Möhl. Das Ehepaar lebte mit seinen zwei Kindern in der Kielerstraße 10. Gretchen Möhl konnte im Juli 1943 durch das "Reichssippenamt" in Berlin die Anerkennung als "Mischling ersten Grades" erreichen.
Robert war zunächst zu Alma in die Annenstraße 33 gezogen, 1923 wechselte das Ehepaar Löwenthal nach Hamburg-Barmbek, in die Gebweilerstraße 3, 1925 wohnten es in der Steinwegpassage 14. Ein erneuter Umzug erfolgte 1927 ins jüdische Lazarus-Gumpel-Stift, Schlachterstraße 46/47, erst Haus 7 und dann Haus 1. Robert Löwenthal arbeitete als Angestellter in der Firma August Röper Assekuranzmakler, Brodschangen 27. Im Juli 1928 wurde er arbeitslos. Im darauffolgenden Jahr fand er Anstellung als Archivar bei den Versicherungsmaklern Bleichenröder & Co. in der Burchardstraße 24. Diese Stelle verlor er im Oktober 1931 und konnte, außer gelegentlichen Schichten im Hafen, keine geregelte Arbeit finden. Das Ehepaar musste sich an das Wohlfahrtsamt wenden und wurde auch von der Deutsch-Israelitischen Gemeinde mit 10 Reichsmark monatlich unterstützt. Ab 1938 wurde Robert Löwenthal als Unterstützungsempfänger an fünf Tagen in der Woche zu Straßenbauarbeiten in Tiefstaak (heute Tiefstack) herangezogen. Dann wurde er nach Volksdorf, Moorredder, zum Bau eines Schießstandes versetzt. Aber wegen einer Herzschwäche konnte er die schwere Erdarbeit während der kalten Jahreszeit bald nicht mehr leisten.
Aus ungeklärten Gründen wurde Alma Löwenthal am 19. Juli 1942 ohne ihren Mann nach Theresienstadt deportiert. Robert Löwenthal musste im September nochmals umziehen, nun in das jüdische Altenheim, ins ehemalige Waisenhaus für Mädchen am Laufgraben 37. Dort erhielt er acht Monate später, am 24. März 1943, seinen Deportationsbefehl nach Theresienstadt. Sein Name hatte schon einmal auf einer Deportationsliste gestanden, für einen Transport am 8. November 1941 ins Getto nach Minsk. Er war jedoch wieder von der Liste gestrichen worden.
Robert Löwenthal überlebte nur wenige Monate nach seiner Ankunft im Getto. Laut der Todesfallanzeige starb er am 22. Juni 1943 an einer Enteritis und einem Darmkatarrh. Als letzte Unterkunft wurde das Gebäude Ü 505 Zimmer 16 verzeichnet.
Alma Löwenthal war im Gebäude Ü 504 untergebracht und hatte im Getto täglich sechs Stunden Reinigungsdienst zu verrichten. Als sich ihr Gesundheitszustand durch die mangelhafte Ernährung rapide verschlechterte und sie einen Schlaganfall erlitt, wurde sie im "Siechenhaus" untergebracht. Der ehemalige Altenheimleiter des Hamburger Nordheim-Stift, Hermann Levy (geb. 5.11.1897 in Dortmund, gest. 23.6.1954 in Hamburg, Stolperstein für seine Ehefrau Paula Levy, Bornstraße 10), der mit ihr nach Theresienstadt deportiert worden war, steckte ihr gelegentlich etwas von seiner Tagesration zu. So erlebte Alma Löwenthal die Befreiung des Gettos am 8. Mai 1945. Schwer erkrankt kehrte sie nach Hamburg zurück, wo sie am 8. Juni 1953 verstarb.
Ihre ältere Schwester Minna Littmann, geb. Harrisson (geb. 24.4.1869), und ihr Schwager Mayer Max Littmann (geb. 25.12.1870) erlebten die Befreiung des Gettos nicht. Der Schwager starb am 31. August 1942 in Theresienstadt, die Schwester wurde am 18. Dezember 1943 in Auschwitz ermordet. Stolpersteine in der Eppendorfer Landstraße 12 erinnern an sie (s. www.stolpersteine-hamburg.de).
© Susanne Rosendahl
Quellen: 1; 9; StaH 351-11 AfW 16753 (Möhl, Gretchen); StaH 351-11 AfW 2812 (Löwenthal, Alma); StaH 351-14 Arbeits- und Sozialfürsorge 1500 (Löwenthal, Alma); StaH 332-5 Standesämter 2562 u 1338/1876; StaH 332-5 Standesämter 1911 u 4218/1877; StaH 332-5 Standesämter 203 u 1335/1886; StaH 332-5 Standesämter 2347 u 3781/1894; StaH 332-5 Standesämter 2982 u 137/1902; StaH 332-5 Standesämter 3219 u 146/1913; StaH 332-5 Standesämter 3373 u 166/1920; StaH 332-5 Standesämter 3375 u 525/1920; StaH 332-5 Standesämter 8180 u 338/1942; StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e 2 Band 2 (Liste 1); StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e 2 Band 5 (Liste 1); Auskunft aus der Gedenkstätte Sachsenhausen von Monika Liebscher, E-Mail vom 16.3.2016; Nationalarchiv in Prag/Theresienstädter Initiative, Jüdische Matriken, Todesfallanzeigen Theresienstadt (Robert Löwenthal).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen"

