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Yves Saget * 1903
Rothenbaumchaussee 26 (Eimsbüttel, Rotherbaum)
HIER WOHNTE
YVES SAGET
JG. 1903
IN DER RESISTANCE
VERHAFTET 17.7.1943 PARIS
DEPORTIERT 1944
IN MEHRERE KZ
ERMORDET 16.12.1944
NEUENGAMME
further stumbling stones in Rothenbaumchaussee 26:
Richard Behr, Auguste Friedburg, Alfred Levy, Anna Levy, Heinz Levy, Richard Levy, Carla Levy
Yves Jean Guillaume Saget, geb. am 21.11.1903 in Paris, Mitglied in der Résistance, verhaftet 17.7.1943 in Paris, deportiert 1944, in mehrere KZs überstellt, ermordet am 16. Dezember 1944 im KZ Neuengamme
Rothenbaumchaussee 26 (Hamburg-Eimsbüttel)
Yves Saget war der Enkel des Hamburger Verlegers Julius Heinrich Wilhelm Campe (18.2.1846 - 13.11.1909) und seiner Frau Marie-Angèle, geb. Lunot (4.1.1851 - 1.7.1930). Aus deren Ehe waren die Töchter Gabriele Louise Campe (10.9.1874 – 21.4.1945), verheiratet mit Guillaume Marie Joseph Saget (1873-1954), und Oliva Angèle (7.9.1876 - 6.1.1951), verheiratet mit Edmond Bouchard, hervorgegangen. Während Marie-Angèle Campe in Hamburg in der Rothenbaumchaussee 26 wohnte, lebten die Töchter mit ihren Familien in Paris.
Yves Jean Guillaume Saget, geboren am 21. November 1903 in Paris, blieb das einzige Kind seiner Eltern. Seine Mutter bezeichnete sich als Kunstmalerin, sein Vater, eigentlich Bildhauer, beteiligte sich an einem Autohaus der Kette "Splendid Garage" in Neuilly-sur-Seine. Der Sohn Yves Saget, über dessen Kindheit, Jugend und Schullaufbahn uns nichts bekannt ist, gab später an, Kunstmaler und autodidaktischer Architekt zu sein. Er betätigte sich auch als Ingenieur im Autohaus seines Vaters.
Mit der Haushälterin der Familie Saget, Jeanne Robert, hatte er den unehelichen Sohn Myriam (17.8.1925 – 29.9.2018 Paris), dessen Vaterschaft er anerkannt hatte. Später führte er zeitweise eine Beziehung mit der aus England stammenden Kabarettsängerin Majorie Ferry. (Sie erlangte vor allem Berühmtheit durch ein Ölgemälde, mit dem die Künstlerin Tamara de Lempicka sie im Jahr 1932 im Art-déco-Stil abbildete.)
Yves Saget lebte zwar in Paris, besuchte aber häufig seine Großmutter in Hamburg. Nach ihrem Tod im Juli 1930 erbte er zahlreiche Immobilien, so auch die Wohnung in der Rothenbaumchaussee im 2. Stock rechts. Er vermietete sie 1936 an den aus Berlin stammenden jüdischen Kaufmann Karl Glaser, Mitinhaber der Fa. Otto Oppenheim & Co., Vertrieb von Getreide- und Futtermitteln, und als dieser emigriert war, ab Sommer 1938 an das geschiedene, aber zusammenlebende nicht-jüdische Ehepaar Wilhelm und Margarethe Lieb, die in den Großen Bleichen 31a eine Fußpflegepraxis betrieben.
1942 trat Yves Saget der französischen Résistance bei. Er war Mitglied der konspirativen Gruppe ‚Jean Marie‘ unter Capitain Henri Frager, genannt ‚Paul‘. "Saget, der mehrere Sprachen spricht, holt für den Widerstand Informationen über die Gestapo ein, erkundet im Sektor Pouilly geeignete Gegenden für Fallschirmabsprünge, nimmt Abwürfe von Waffen entgegen, beherbergt untergetauchte Kämpfer und Agenten", erklärt Michael Batz, der die Geschichte des Hauses Rothenbaumchaussee 26 erforschte. Er fährt fort: "Yves Saget bekommt aus London Geldmittel für die Arbeit der Résistance, er stellt auch selbst Beträge zur Verfügung. In Widerstandskreisen ist er bekannt als ‚Capitaine CAP‘ oder ‚Capitaine Saget von Buckmaster‘", denn die Gruppe wird von England aus unterstützt von der ‚Special Operations Executive‘, SOE, des Maurice Buckmaster. "Nach außen unauffällig, fährt er jeden Morgen in die Werkstatt der ‚Splendid-Garage‘, Boulevard du Havre 5 in Colombes", der Werkstatt seines Vaters. Hier wurde er bei der Zerschlagung der Widerstandsgruppe ‚Jean Marie‘ am 17. Juli 1943 festgenommen." SS-Obersturmbannführer Kurt Lischka verhaftete insgesamt mehr als 1500 Agenten, Kuriere, Funker und V-Männer.
Es folgte eine Lager-Odyssee: Yves Saget wurde zunächst in den Lagern von Frèsnes, Compiègne und Forbach interniert. Am 16. März 1944 listete die Registration des KZ Buchenwald ihn mit der Nummer 14200, kommend vom BdS Paris (= Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD). Als Beruf war Architekt eingetragen und als Adresse die seiner Mutter Gabriele Saget in Paris im XVI. Arrondissement, Rue de l’ Assomption 12.
Am 5. Juli 1944 wurde Yves Saget in das KZ Natzweiler-Struthof im Elsass verlegt. Hier verzeichnete man am 7. Juli 1944 seinen Zugang als Nummer 19148. Er gehörte zu den "Nacht- und Nebelhäftlingen", d.h. zu den ca. 7000 Männern, die nach einem "Führererlass" Adolf Hitlers im Reichsgebiet und dem besetzten Europa verhaftet wurden und in Konzentrationslagern verschwanden, ohne dass Angehörige von ihrem Verbleib erfuhren.
Die Unterlagen aus Natzweiler-Struthof halten fest, dass er 1925 an Malaria erkrankt gewesen war, 1929 eine Leberentzündung gehabt hatte und seit 1937 an Rheuma litt. Er war weitsichtig. Zum Zeitpunkt der Einlieferung wog der 1,78 m große Yves Saget noch 59 Kilo.
Ab September 1944 wurde das KZ Natzweiler-Struthof wegen der vorrückenden Alliierten evakuiert, hauptsächlich in das KZ Dachau. Zu den Evakuierten gehörte auch Yves Saget, der am 6. September 1944 unter der Nummer 103728 im KZ Dachau registriert wurde. Da im Stammlager Dachau laufend Transporte aus frontnahen Konzentrationslagern ankamen, war das Lager mit 30.000 Häftlingen dramatisch überfüllt. Am 22. Oktober 1944 verlegte die SS Yves Saget von Dachau nach Hamburg-Neuengamme mit der Nummer 1016 auf der Transportliste und der Häftlingsnummer 62242.
Am 16. Dezember 1944 verstarb Yves Saget im KZ Neuengamme (Eintrag im Totenbuch).
Jeanne Robert, Mutter seines Sohnes Myriam, stellte nach dem Krieg einen Antrag auf Anerkennung von Yves Saget als Widerstandskämpfer. Sie verstarb am 24. September 1986 in Paris.
Kurt Lischka wurde in Frankreich in Abwesenheit zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt, aber in Deutschland in einem Spruchkammerverfahren freigesprochen. Er arbeitete unbehelligt in einer Getreidegroßhandlung in Köln, bis Beate und Serge Klarsfeld 1971 ohne Erfolg versuchten, ihn nach Frankreich zu entführen. Erst 1979 erfolgte eine Anklage, 1980 wurde er zu zehn Jahren Freiheitsstrafe wegen der Deportation von Juden aus Frankreich verurteilt, von der er zwei Drittel abbüßte. 1985 entlassen, lebte er bis zu seinem Tod am 5.4.1989 in Brühl.
© Christiane Stephani
Quellen: Michael Batz: Das Haus des Paul Levy. Verlag Dölling und Galitz, München und Hamburg, 4. Auflg. 2023, S. 119-121, 140, 237-238, 404-405, 419-420, 448-450, 515; https://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=4503800; Informationen zu den Einweisungen und Aufenthalten von Yves Saget in den KZs aus den Arolsen Archiven: https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5282742 (Buchenwald), https://collections.arolsen-archives.org/de/document/6992719 (Buchenwald), https://collections.arolsen-archives.org/de/document/3225440 (Natzweiler-Struthof), https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10742038 (Dachau), https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130432324 (Dachau), https://collections.arolsen-archives.org/de/document/128452009 (Neuengamme), zu Kurt Lischka: https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Lischka (Internetquellen aufgerufen am 17.7.2026)

