Direkt zum Inhalt

Robert Radwan
* 1944

ZWANGSARBEITSLAGER KAMPCHAUSSEE
DEUTSCHE KAP-ASBEST-WERKE
1943 – 1945
56 KINDER VON POLNISCHEN ZWANGSARBEITERINNEN
VERNACHLÄSSIGT – UNTERERNÄHRT - ERMORDET

ROBERT RADWAN
GEB. 28.5.1944
TOT 10.7.1944

Kurt-A.-Körber-Chaussee 9

Weitere Stolpersteine in Kurt-A.-Körber-Chaussee 9: Helena Christina Zdobych | Krysta Zapaua | Kasimir Wojewodzic | Barbara Wojekowska | Zbigniew Wojcik | Sofie Wietrak | Danuscha Wezyk | André Wasiak | Irene Tylczak | Juruch Turczyn | Krystyna Tesarczyk | Ryszard Telenga | Johann Stempczynska | Wieslaw Staszak | Peter Siczek | Iworna Saganowska | Johannes Puc | Stanislaw Polak | Iwan Paliwoda | Irene Olzewska | Czeslaw Olszewska | Boleslaw Georg Olszewska | Jadwiga Nykel | Leszek Moldysz | Veronika Michalczak | Waldemar Masur | Edward Stanislaw Malecka | Wladislaw Maciejczyk | Julia Januta Lucik | Wlodzimierz Lipka | Waldemar Czeslaw Lekowski | Therese Lebjoda | Richard Kuzniarek | Henrik Krolikowska | Karol Kowalczyk | Jan Kluba | Genovefa Klesczynska | Julius Dadewach Kinjora | Marzel Keyl | Barbara Karpinska | Kristine Kaicher | Alfrede Jonczyk | Richard Jedrzejczak | Georg Gubanska | Wieslawa Gromczyk | Wieslawa Grat | Sophia Galeza | Mirek Dziziong | Josef Dudek | Zokistaco Domanska | Eugenius Chrusciel | Ursula Caban | Jerzy Antoni Biernat | Leo Georg Bartyzel | Richard Bafoll

Hamburg Bezirke

Kurt-A.-Körber-Chaussee 9

Zum Stolperstein navigieren >

Robert Radwan, geb. am 28.5.1944 in Hamburg, verstorben am 10.7.1944 in Hamburg

Kurt-A.-Körber-Chaussee 9 (Bergedorf)
ehemals Lager Kampchaussee 9/11, Deutsche Kap-Asbest-Werke AG

Robert Radwan kam am 28. Mai 1944 in Hamburg zur Welt. Seine Mutter Zofia Radwan, geb. am 5.3.1925 in Dombrowa, war römisch-katholischen Glaubens und ledig. Aus ihrem Geburtsort in Polen verschleppt, musste sie seit dem 21. März 1942 in Hamburg-Altona für die Arbeitsgemeinschaft Eisen und Metall Zwangsarbeit leisten. Sie war im Lager Palmaille 27 untergebracht. Vier Wochen später kam sie am 15. April 1942 nach Hamburg-Lokstedt in das Lager Osterfelderstraße 36, zur Zwangsarbeit für die Heinrich Gunkel Fischkonservenfabrik.

Im darauffolgenden Jahr wurde sie schwanger. Im achten Monat ihrer Schwangerschaft erfolgte am 3. April 1944 ihre Verlegung nach Hamburg-Bergedorf in das Lager Kampchaussee 9 (heute Kurt-A.-Körber-Chaussee), zum Zwangsarbeitseinsatz für die Deutsche Kap-Asbest-Werke AG.

Einen Tag vor der Geburt ihres Kindes kam Zofia Radwan in die Frauenklinik Finkenau, Hamburg-Uhlenhorst. Sechzehn Tage nach der Entbindung wurde sie mit ihrem Sohn Robert am 13. Juni 1944 zurück in das Lager Kampchaussee entlassen. Dort musste Robert die kurze Zeit seines Lebens verbringen. Die Ernährungs- und Lebensbedingungen waren für ihn völlig unzureichend.

Am 8. Juli 1944 kam Zofia Radwan zur Behandlung einer „Grippe“ in das Allgemeine Krankenhaus Bergedorf, ihr kleiner Robert wurde jedoch getrennt von ihr mit der Diagnose „Bronchitis“ in das Allgemeine Krankenhaus Langenhorn eingeliefert. Nach zwei Tagen verstarb er dort am 10. Juli 1944 um 23:00 Uhr. In der Todesanzeige des Krankenhauses ist als Todesursache „Brechdurchfall“ und als unterzeichnender Arzt Blumenthal angegeben.

Robert wurde 1 Monat und 12 Tage alt.

Fünf Tage nach seinem Tod fand seine Beisetzung am 15. Juli 1944 auf dem Friedhof Ohlsdorf statt, Grablage: Q 39, Reihe 5, Nr. 12. Sein Grab ist nicht mehr erhalten. Ende des Jahres 1959 wurde es zusammen mit mindestens 146 Gräbern der Kinder von Zwangsarbeiterinnen auf Areal Q 39 eingeebnet.

Zofia Radwan wurde nach fünf Wochen am 14. September aus dem Krankenhaus zurück zu den Kap-Asbest-Werken entlassen. Einen Tag später erfolgte am 15. September 1944 ihre Verlegung nach W… O/S. (Oberschlesien) W. (West) Sosnowitz/Sosnowiec, Graf R….(enard?) Straße 57 ? (in der Ausländermeldekartei unleserlich). Möglicherweise wurde sie über die „Organisation Schmelt“ (siehe unten), die von Himmler „zur Erfassung und Lenkung des fremdvölkischen Arbeitseinsatzes in Ostoberschlesien“ eingerichtet worden war, zur Zwangsarbeit in Sosnowitz eingesetzt. Dort befanden sich etliche Rüstungsbetriebe, in denen zuvor Juden aus Auschwitz Zwangsarbeit hatten leisten müssen. Im August 1943 waren 30.000 Juden aus Sosnowitz und Bendzin zurück nach Auschwitz-Birkenau verlegt worden.

Erläuterung:
Albrecht Schmelt, Namensgeber der Organisation Schmelt, Mitglied der NSDAP, SS-Brigadeführer und Mitglied des Reichstages, war Leiter der Organisation und „Sonderbeauftragter des Reichsführers-SS für den fremdvölkischen Arbeitseinsatz“.

Autor*in: Margot Löhr

Quellen: Standesamt Hamburg 6, Geburtsregister 990/1944 Robert Radwan; StaH 131-1 II, 518 Listen der während des Zweiten Weltkrieges in Hamburg verstorbenen und beigesetzten ausländischen Zivilarbeiter, S. 83, S. 245; StaH 131-1 II, 519 Listen der 1940 in Hamburger Krankenhäusern behandelten Ausländer, nach Nationalitäten geordnet, S. 334; 131-1 II, 2721, Listen der Gräber von im Zweiten Weltkrieg verstorbenen ausländischen Zivilisten auf Hamburger Friedhöfen, S. 61; StaH 332-5 Standesämter, Sterberegister 9953 u.1107/1944 Robert Radwan; StaH 332-5 Sterbefallsammelakten, 64306 u.1107/1944 Robert Radwan; StaH 332-8, A 48 Alphabetische Meldekartei der Ausländer 1939–1945, 741-4 Fotoarchiv, K 4600; StaH 332-8 Meldewesen, Hausmeldekartei, 741-4 Fotoarchiv, K 2391 Palmaille 27; StaH 352-8/7 Staatskrankenanstalt Langenhorn, 184 Band 2, S. 60; ITS Archives, Bad Arolsen, Copy of Krankenhausliste Frauenklinik Finkenau 2.1.2.1 / 70646042, 70645278; http://www.zwangsarbeit-in-hamburg.de, eingesehen 17.2.2016; http://www.straty.pl/index.php/en/szukaj-w-bazie, eingesehen 10.7.2017; https://de.wikipedia.org/wiki/Dienststelle_Schmelt, einges. 3.8.2017; Archiv Friedhofsverwaltung Ohlsdorf, Beerdigungsregister 1944

Zurück zu den Suchergebnissen