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Curt Koppel
* 1907

HIER WOHNTE
CURT KOPPEL
JG. 1907
DEPORTIERT 1941
MINSK
ERMORDET

Großneumarkt 38 (vorm. Schlachterstraße)

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Johanna Maria Koppel, geb. Gressmann, geb. am 21.4.1879 in Hamburg, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk
Curt Koppel, geb. am 3.10.1907 in Hamburg, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk

Großneumarkt 38 (Schlachterstraße 46/47)

Als die Eltern von Johanna Maria Koppel im Jahre 1878 in Hamburg heirateten, vermerkte der Standesbeamte bei dem Hut- und Schirmmacher Gustav Heinrich August Gressmann (geb. 14.5.1854, gest. 13.5.1928) dessen christliche Konfession. Bei der Braut Lea Moses (geb. 28.11.1854, gest. 8.11.1934) wurde die „mosaische“ verzeichnet, d. h. sie gehörte der Jüdischen Glaubensgemeinschaft an. Tochter Johanna war ihre Älteste, sie kam am 21. April 1879 in der elterlichen Wohnung im Neuen Steinweg 20 zur Welt. Ganz in der Nähe, in der Steinwegpassage 8, lebten die Großeltern mütterlicherseits; der Strumpfwarenhändler Salomon Moses mit seiner Ehefrau Hanna, geb. Abraham. Nach Johanna kamen mindestens sechs weitere Kinder zur Welt: Auguste Franziska (geb. 5.8.1881), Margaretha Emilie (geb. 9.12.1882, gest. 1951), Paula Frieda (geb. 19.5.1884), Elsa Mathilde (geb. 1886), Gustav (geb. 28.8.1889) und Martha (geb. 11.11.1891, gest. 27.11.1968).

Die drittjüngste, Elsa Mathilde, verstarb kurz von ihrem zehnten Geburtstag, am 4. Juni 1896. In ihrem Sterberegistereintrag wurde „jüdische Religion“ vermerkt.

Johanna heiratete am 9. November 1905 den Hamburger Konrad Koppel, geboren am 11. Juli 1880. Dessen Eltern Calmann/Carl Koppel (geb. 17.8.1839, gest. 6.5.1915) und Hanna, geb. Pollack (geb. 16.5.1845, gest. 29.10.1925) wohnten in der Wexstraße 39 und betrieben dort eine „Maskenkostümvermietung“ und einen „Vereinsartikelhandel“.

Konrad Koppel eröffnete nach der Eheschließung ein Zigarrengeschäft in der Poolstraße 44. Eine Wohnung bezog das Ehepaar in der Marcusstraße 25 (heute Markusstraße).

Ihr erstes Kind Tochter Else wurde am 10. Januar 1906 geboren, Sohn Curt folgte am 3. Oktober 1907 und der Jüngste, Herbert, am 17. Oktober 1908. Konrad Koppel nahm am Ersten Weltkrieg teil und diente als Kavallerist bei den Wandsbeker Husaren. 1918 wurde er aus dem Kriegsdienst entlassen, konnte jedoch seine Geschäftstätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder aufnehmen. Das Hamburger Adressbuch von 1920 verzeichnete Konrad Koppel noch als Händler, später arbeitete er als Büroangestellter. Die Familie lebte jetzt in der Schlachterstraße 46/47, Haus 7, im jüdischen Lazarus-Gumpel-Stift. Konrad Koppel starb im Alter von 43 Jahren, am 25. September 1923.

Der ältere Sohn Curt absolvierte eine Klempnerlehre und blieb im Haushalt seiner Mutter. Später zogen beide innerhalb des Lazarus-Gumpel-Stifts in eine kleinere 2-Zimmer-Wohnung.

Seine Geschwister Herbert und Else gründeten eigene Familien. Else beendete eine kaufmännische Ausbildung und heiratete am 12. Oktober 1928 den Silberschmied Julius Marcus, geboren am 26. März 1904. Ihr Schwiegervater Gustav Marcus (s. dort) war Papierhändler in der Peterstraße 71/73. Tochter Marion kam am 21. Juni 1929 zur Welt. Als Marion schulpflichtig wurde, besuchte sie die Mädchenschule der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in der Carolinenstraße. Sie galt als gute Schülerin und wohnte mit ihren Eltern in der Schumannstraße 50a in Hamburg-Uhlenhorst.

Herbert Koppel heiratete am 5. August 1933 die Hamburgerin Alice Lohse, geboren am 16. Juli 1907. Alice war keine Jüdin und arbeitete als Verkäuferin bei der EPA (Einheitspreis-AG) am Rödingsmarkt. Ihr Vorgesetzter führte sie, vorrausschauend, auch nach der Heirat weiter unter ihrem Geburtsnamen Lohse. Im Sommer 1935 wurde sie dennoch wegen ihres jüdischen Ehemannes entlassen. Herbert Koppel hatte den Malerberuf erlernt und wurde 1934 als Jude nicht mehr zur Meisterprüfung zugelassen. Er arbeitete in der Firma Ivan Levy in der Kippingstraße 25, bis er 1937 arbeitslos wurde.

Da das Paar keine Kinder hatte, galt die Ehe als „nichtprivilegierte Mischehe“. Ab 1. September 1941 musste Herbert Koppel den „Judenstern“ tragen und war auch den übrigen, für Juden geltenden Beschränkungen unterworfen.

Nach Herbert Koppels Angaben wurde seine Mutter Johanna nach 20-jähriger Tätigkeit als Garderobenfrau im zweiten Rang der Hamburger Musikhalle (heute Laeiszhalle) am Karl-Muck-Platz (heute Johannes-Brahms-Platz) im Jahre 1941 entlassen. Eine ehemalige Arbeitskollegin bestätigte nach dem Krieg gegenüber dem Amt für Wiedergutmachung: „Mir war bekannt, dass Johanna Koppel Jüdin war und ich erinnere mich, dass sie eines Tages nicht wieder zum Dienst erschien“.

Johanna Koppel wurde gemeinsam mit ihrem Sohn Curt, Tochter Else, ihrem Schwiegersohn Julius Marcus und der Enkeltochter Marion am 8. November 1941 ins Getto Minsk deportiert. An das Ehepaar Marcus und Tochter Marion erinnern Stolpersteine vor dem Haus Grindelberg 7.

Herbert und Alice Koppel wurde am 25. August 1943 gezwungen, ihre Wohnung im Scheideweg 46 in Eimsbüttel zu verlassen, sie wurden in die Bornstraße 22, in ein „Judenhaus“ einquartiert. Seit Anfang des Jahres arbeitete Alice Koppel in einem iranischen Basar im Graskeller 23. Nach einer negativen Äußerung über die Waffen-SS und Adolf Hitler wurde sie, so vermutete sie, von einer anwesenden Kundin denunziert. Am 16. März 1944 wurde sie wegen des Vergehens gegen das „Heimtückegesetz“ in „Schutzhaft“ genommen. Sie konnte die Einstellung des Verfahrens und ihre Entlassung aus der Untersuchungshaft am 25. Juli 1944 erreichen, allerdings wurde ihr „nahegelegt“, sich scheiden zu lassen. Alice Koppel hielt auch weiterhin zu ihrem Ehemann, der bis Kriegsende in einem sogenannten Judeneinsatz mit anderen jüdischen Männern aus „Mischehen“ Zwangsarbeit leisten musste. Herbert Koppel verletzte sich bei Aufräumarbeiten in einem Malerreibetrieb nach einem Bombenangriff in Hamburg-Harburg schwer. Nach dem Krieg holte er seine Meisterprüfung nach, die ihm 1934 verweigert worden war und machte sich als Malermeister in der Goebenstraße 11 in Eimsbüttel selbstständig. Er starb am 12. Oktober 1988 in Hamburg.

Autor*in: Susanne Rosendahl

Quellen: 1; 4; 9; StaH 351-11 AfW 19857 (Koppel, Herbert); StaH 351-11 AfW 32248 (Koppel, Alice); StaH 213-13 Z 27940; StaH 332-5 Standesämter 396 u 954/1896; StaH 332-5 Standesämter 869 u 612/1923; StaH 352-5 Todesbescheinigung 1923, Sta 2, 612; StaH 332-5 Standesämter 1980 u 3365/1880; StaH 332-5 Standesämter 2202 u 3614/1889; StaH 332-5 Standesämter 14229 u 764/1904; StaH 332-5 Standesämter 3043 u 772/1905; StaH 332-5 Standesämter 722 u 459/1915; StaH 332-5 Standesämter 13950 u 520/1933; StaH 332-5 Standesämter 1023 u 313/1934; StaH 332-5 Standesämter 2592 u 1390/1878; StaH 332-5 Standesämter 938 u 311/1928; StaH 332-5 Standesämter 1954 u 2060/1879; StaH 332-5 Standesämter 13950 u 520/1933; StaH 522-1 Jüdische Gemeinden 477; StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e 2 Band 5; diverse Hamburger Adressbücher. Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link „Recherche und Quellen“.

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