Stolpersteine vor der Gelehrtenschule des Johanneums
Gedenkfeier im Johanneum
Am 3. Juni 2026 wurden vor der Gelehrtenschule des Johanneums, einem humanistischen Gymnasium mit fast 500jähriger Tradition, 27 Stolpersteine für ehemalige Schüler verlegt. Weitere sollen folgen.
Zur Verlegung und der anschließenden Feierstunde waren zahlreiche Nachkommen aus der ganzen Welt angereist: aus den USA, Großbritannien, Israel, Spanien, Frankreich, Tschechien und aus verschiedenen deutschen Orten. Nur sechs der jetzt Geehrten überlebten das NS-Regime, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen konnten.
In einer berührenden Feierstunde wurde der Opfer von Demütigung, Verfolgung und Mord gedacht.
Die fein auf den Anlass abgestimmte Musikauswahl, Redebeiträge der Schulleiterin, der verantwortlichen Geschichtslehrerin, des Landesrabbiners von Hamburg und von Nachkommen, sowie der Einsatz der Schülerinnen und Schüler im Chor und bei zwei szenischen Darstellungen schufen einen würdigen und sehr persönlichen Rahmen.
Anschließend wurde ins Schularchiv gebeten, deren Leiterin für die ehemaligen Schüler, von denen Angehörige angereist waren, eine Mappe mit Dokumenten erstellt hatte. Die darin enthaltenen Zeugnisse, Beurteilungen und Einträge ins Schuleingangsbuch hinterließen tiefen Eindruck, besonders bei den betroffenen Familien.
Auch der vielfältige Einsatz der Stolpersteininitiative hatte dieses Gedenken ermöglicht.
Durch die zahlreichen biografischen Texte auf der Stolpersteinwebseite www.stolpersteine-hamburg.de war es möglich, eine große Anzahl verfolgter Schüler ausfindig zu machen.
Peter Hess, der 2002 das Stolpersteinprojekt nach Hamburg geholt hat, sorgte für einen Termin für die Verlegung, besichtigte vorher den Ort und koordinierte die Verlegeaktion mit den zwei Helfern, die wegen einer Erkrankung des Künstlers Gunter Demnig die Stolpersteine ins Straßenpflaster brachten. Weitere Ehrenamtliche der Stolpersteininitiative recherchierten und entwarfen die Inschriften.
Die Schule griff bei der Ausgestaltung der Feierstunde auf die Erfahrungen eines Mitglieds mit anderen Schulfeiern zurück, und da die Stolpersteininitiative zahlreiche Kontakte zu Nachkommen unterhält, stellte sie deren Adressen zur Verfügung, so dass sie eingeladen werden konnten.
Wir freuen uns, dass die Feierstunde bei allen Beteiligten großen Anklang fand und den Opfern ein bleibendes DENK MAL gesetzt wurde.
Sabine Brunotte, Juni 2026


