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Richard Salomon * 1913

Schloßmühlendamm 32 (Harburg, Harburg)


HIER WOHNTE
RICHARD SALOMON
JG. 1913
VERHAFTET 18.7.1934
UG HOLSTENGLACIS
ENTLASSEN 11.6.1935
TOT AN HAFTFOLGEN
13.6.1935

Weitere Stolpersteine in Schloßmühlendamm 32:
Hermann Rosner

Richard Salomon, geb. am 16.7.1913 in Hamburg, verhaftet am 18.7.1934, inhaftiert in der Untersuchungshaftanstalt Holstenglacis, entlassen am 10.6.1935, verstorben an den Haftfolgen am 11.6.1935

Schloßmühlendamm 32 (früher Mühlenstraße 9 I), Stadtteil Harburg

Richard Salomon wurde am 16. Juli 1913 in Hamburg geboren. Seine Eltern waren Adolph Salomon (geb. 30.12.1875) (Biografie siehe www.stolpersteine-hamburg.de) und Chaja Anna Salomon, geb. Friedmann. Er hatte vier Geschwister: Rudolf, John, Erna und Senta. Die Eltern führten ein Hutgeschäft in der ehemaligen Elbstraße in der Neustadt. Die Ehe der Eltern wurde 1926 geschieden. Die Mutter lebte dann mit den Kindern in der Peterstraße 33 b in der Hamburger Neustadt.

Richard Salomon hatte eine Ausbildung als Maler und Dekorateur absolviert, arbeitete als Malergeselle und hatte vor, genau wie sein Bruder Rudolf, in die USA auszuwandern. Wann er aus der Neustadt nach Harburg zog, ist nicht bekannt.

Richard Salomon gehörte dem Rotfrontkämpferbund (RFB) bzw. der "Rote Jugendfront" für Mitglieder zwischen 16 und 21 Jahren an. Im Mai 1929 wurde der RFB verboten, existierte allerdings weiter und lieferte sich bis 1933 Straßen- und Saalschlachten mit der SA.

Am 18. Juli 1934 wurde Richard Salomon verhaftet und kam in die Untersuchungshaftanstalt Holstenglacis.

Das Untersuchungsgefängnis Holstenglacis war nicht nur die zentrale Hinrichtungsstätte V, hier oder im nahe gelegenen Gestapo-Hauptquartier Stadthaus wurden die Häftlinge bei den Verhören misshandelt und gequält, um Informationen zu erlangen. Für NS-Gegner galt "verschärftes Verhör". Viele Häftlinge überlebten diese Behandlung nicht. Den Angehörigen wurde in der Regel als Todesursache "Selbstmord durch Erhängen" genannt.

Laut Anklageschrift vom 27. März. 1935 wurde Richard Salomon vorgeworfen, "im Jahre 1932 und 1933, durch mehrere selbstständige Handlungen einem verbotenen Verbande, nämlich dem Rotfrontkämpferbund angehört zu haben".

Mitangeklagt waren 16 weitere Mitglieder des Rotfrontkämpferbundes, die Tatvorwürfe gingen allerdings viel weiter, von Verstoß gegen das "Schusswaffengesetz", "Verbrechen wider das Leben" bis zu "Vorbereitung zum Hochverrat". Alle Mitangeklagten wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Das Urteil des Sondergerichts Hamburg gegen Richard Salomon vom 5. Juni 1935 lautete auf zehn Monate Gefängnis. Die Strafe galt als durch die U-Haft verbüßt. Am 10. Juni 1935 wurde er aus der Haft entlassen.

Richard Salomon traf sich noch am Tag der Entlassung mit seiner Familie. Seine Schwester Erna berichtete später: "Er sah furchtbar schlecht aus, war sehr nervös und hatte sichtbare Angst, über seine Erfahrungen aus der Haftzeit zu sprechen. Es war offensichtlich, dass er unter dem Zwang eines Sprachverbots stand."

Die erste Nacht in Freiheit verbrachte er bei seiner Familie, am folgenden Tag machte die Familie einen Ausflug an die Elbe. Erna weiter: "Er verhielt sich sehr ruhig und ging erst nachmittags ins Wasser zum Schwimmen". Er galt als ausgezeichneter Schwimmer, kehrte aber nicht zu seiner Familie zurück.

Die Leiche Richard Salomons wurde am 13. Juni 1935 nachmittags in "Harburg-Wilhelmsburg im Köhlbrand in Höhe vom Badestrand Kattwyk" gefunden. In der Sterbeurkunde wurde vermerkt: "Tag und Stunde des Todes sind nicht festgestellt worden. Der Verstorbene ist am 11. Juni 1935, nachmittags gegen 4 1/2 Uhr zuletzt lebend gesehen worden". Das erklärt die Differenz zwischen dem in dieser Biografie angegebenen Sterbedatum (11.6.1935) und der Inschrift auf dem Stolperstein (13.6.1935).

Die amtliche Todesursache lautete "Herzversagen".

Seine Schwester Erna hatte keine Zweifel, dass der plötzliche Tod durch Herzschlag eine Folge der monatelangen Misshandlungen während der Untersuchungshaft gewesen sein muss.

Zur Familie Salomon:
Der Vater Adolph wurde am 15.7.1942 ins Getto Theresienstadt deportiert, wo er am 21. Mai 1944 starb.
Die Mutter Anna flüchtete 1939 zu ihrem Sohn Rudolf in die USA.
Der Bruder John flüchtete nach Südafrika.
Die Schwester Senta verstarb 1922.
Die Schwester Erna flüchtete nach Großbritannien, wo sie 1937 heiratete.

Stand: September 2026
© Margrit Rüth

Quellen: Staatsarchiv Hamburg 351-11_38787 u. 351-11­_4908; Hamburger Adreßbuch 1932 u. 1934; https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de957367; Sterbeurkunde: www.ancestry.com (Zugriff 29.9.2026); www.stolpersteine-hamburg.de (Adolph Salomon).

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