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Waldemar Voigt * 1894

Harburger Ring 8 (Harburg, Harburg)


HIER WOHNTE
WALDEMAR VOIGT
JG. 1894
EINGEWIESEN 1928
HEILANSTALT LÜNEBURG
´VERLEGT‘ 7.3.1941
PIRNA-SONNENSTEIN
ERMORDET 7.3.1941
´AKTION T4‘

Waldemar Voigt, geb. am 26.3.1894 in Berlin, Einweisung in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg am 18.5.1928, ´verlegt` am 7.3.1941 in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein, dort ermordet am 7.3.1941

Harburger Ring 8 (früher Friedrichstraße 17), Stadtteil Harburg

Waldemar Voigt war Tischler von Beruf. Er wohnte mit seiner Frau Berta und den beiden Kindern in der Friedrichstraße 17. Im Jahr 1922 erlitt er einen schweren Arbeitsunfall: Er geriet mit der rechten Hand in eine Kreissäge und zog sich dabei Verletzungen zu.

Nach diesem Unfall stellte die Ehefrau erhebliche Veränderungen im Verhalten ihres Mannes fest. Er verlor das Interesse an der Arbeit und gab die Arbeit ganz auf, weil "er angeblich mit der rechten Hand nicht arbeiten könne". Seit dem 3. Mai 1926 war er arbeitslos gemeldet.

Am 28. September 1927 wurde Waldemar Voigt "auf Ersuchen des Magistrats … in seiner Wohnung untersucht". Bei dieser Untersuchung verweigerte er teilweise die Auskunft, was er damit begründete, dass sein Gedächtnis gelitten habe. Zudem gab er an, dass er häufig, vor allem nachts, Stimmen höre. Der Arzt diagnostizierte eine leichte Dementia praecox, der Kranke wurde "für einige Zeit" in die Anstalt Lüneburg überwiesen, am 4. Dezember 1927 aber von dort "als gebessert" wieder entlassen.

Nach dem Aufenthalt in Lüneburg änderte sich sein Verhalten nicht. Er arbeitete eine kurze Zeit und blieb dann "untätig zu Hause". Eine erneute Untersuchung wurde angeordnet. Der ärztliche Befund sagte aus, dass der Patient zweifellos auch jetzt noch krank sei und - mit Einwilligung der Ehefrau - wieder nach Lüneburg überführt werden müsse.

Am 18. Mai 1928 wurde Waldemar Voigt erneut in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg aufgenommen. Über seinen Aufenthalt dort und den weiteren Krankheitsverlauf ist nichts bekannt.

In der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg wurden bereits in den 1930er-Jahren Zwangssterilisationen an über 100 Patienten vorgenommen. Vermutlich gehörte Waldemar Voigt zu den Betroffenen.

Ab Herbst 1939 waren alle Heil- und Pflegeanstalten verpflichtet, Patientinnen und Patienten mit körperlichen, geistigen und seelischen Erkrankungen an die Zentraldienststelle in Berlin, Tiergartenstraße 4, zu melden (Aktion T4). Dort entschieden Gutachter über ihr weiteres Schicksal. Über 70 000 Patienten fielen diesem Programm zum Opfer.

Aus Lüneburg wurden zwischen 1940 und 1941 im Zuge der Aktion T4 fast 500 Patientinnen und Patienten (sog. Ballastexistenzen) in Zwischenanstalten und von dort in die verschiedenen Tötungsanstalten überführt.
(In der 1941 eingerichteten "Kinderfachabteilung" wurden zudem über 300 Kinder mit Luminal oder Morphium getötet.)

Am 7. März 1941 wurde Waldemar Voigt – zusammen mit weiteren Harburger Patientinnen und Patienten – in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein ´verlegt`. Alle Patienten wurden noch am Tag der Ankunft in der Gaskammer ermordet

Es ist nicht bekannt, ob die Angehörigen benachrichtigt wurden bzw. eine Urne mit der (angeblichen) Asche des Ermordeten erhielten. In der Regel wurden deren sterbliche Überreste verbrannt und die Asche auf dem Anstaltsgelände beigesetzt oder einfach den Hang hinuntergekippt.

In der Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein wurden in den Jahren 1940 und 1941 rund 13.720 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen im Rahmen der "Aktion T4" in einer Gaskammer im Keller der Anstalt ermordet.

Stand: September 2026
© Margrit Rüth

Quellen: Niedersächsisches Landesarchiv Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/066 Nr. 08591; Harburger Adreßbuch 1926; Auskunft Gedenkstätte Lüneburg 7.5.2026;
Stiftung Sächsische Gedenkstätten: https://www.stsg.de/cms/pirna/geschichte/ns-verbrechen_in_pirna (Zugriff 21.9.2026).

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