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Elsa Spartz * 1889

Bleicherweg 4 (Harburg, Harburg)


HIER WOHNTE
ELSA SPARTZ
JG. 1889
EINGEWIESEN 1934
HEILANSTALT LÜNEBURG
HERBORN
´VERLEGT‘ 16.6.1941
HADAMAR
ERMORDET 16.6.1941
´AKTION T4‘

Elsa Spartz, geb. Mehling, geb. am 8.6.1889 in Würzburg, Einweisung in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg am 29.8.1934, `verlegt´ in die Heil- und Pflegeanstalt Herborn am 30.4.1941, `verlegt´ in die Tötungsanstalt Hadamar am 16.6.1941, dort ermordet am 16.6.1941

Bleicherweg 4, Stadtteil Harburg

Elsa Mehling wurde am 8.6.1889 geboren und wuchs in einer Würzburger Kaufmannsfamilie mit drei jüngeren Brüdern auf. Mehr wissen wir über ihre Kindheit nicht.

In den Jahren zwischen 1907 und 1911 lernte sie ihren späteren Mann kennen. Heinrich Spartz studierte Medizin, u.a. in Würzburg. 1911 verlobten die beiden sich. Das Paar plante, nach Heinrichs Promotion zu heiraten. Diese erfolgte 1913, aber der Beginn des Ersten Weltkriegs verhinderte die Pläne des Paares. Als Heinrich im März 1919 aus dem Kriegsdienst entlassen wurde, heirateten sie schließlich am 24.3.1919 und zogen nach Hamburg, wo Heinrich eine erste Anstellung im Marienkrankenhaus fand.

1920 und 1922 bekam das Paar erst einen Sohn und dann eine Tochter. Elsa Spartz versorgte in diesen Jahren die Familie und den Haushalt. Die Kinder wuchsen heran und Heinrich Spartz nahm eine Stelle als Chefarzt im Mariahilf-Krankenhaus in Harburg an.

In dieser Zeit erkrankte Elsa, und 1928 wurde sie Dr. Max Nonne "vorgestellt", wie eine Begutachtung damals genannt wurde, einem Hamburger Nervenarzt. Dieser überwies Elsa Spartz am 12.5.1928 in das Sanatorium Rockwinkel, der Privat Heil- und Pflegeanstalt Oberneuland im Bremer Umland.

Dort verbrachte sie die nächsten sechs Jahre, die Diagnose lautete "Schizophrenie". In der Patientenakte finden sich Hinweise auf Eifersucht, es wird angeführt, dass Elsa "immer schon auffällig" gewesen sei und auch dass es in ihrer väterlichen Familie Auffälligkeiten gegeben habe. Zwei Schwestern des Vaters seien "geisteskrank" und eigentümlich, auch Elsas Vater sei "nervös" und rechthaberisch gewesen. Elsa wurde ein Hang zum Spiritismus nachgesagt, sie höre Stimmen und meinte besessen zu sein. Sie betete oft stundenlang, es konnte vorkommen, dass sie nachts einfach die Wohnung verließ um nach Hamburg zu einer Kartenlegerin zu fahren.

Am 30.9.1928 gab es einen Entlassungsversuch, der bereits zwei Tage später wieder endete, als Heinrich Spartz seine Frau zurück in die Anstalt bei Bremen schickte. Sie soll ihn und die Kinder beschimpft haben – danach sah sie ihre Kinder nie wieder. Heinrich besuchte sie ein einziges Mal im Dezember 1929. Am 19. September 1930 unternahm Elsa Spartz einen Fluchtversuch, doch der Ehemann schickte sie per Taxi direkt wieder zurück. Damit endete der Kontakt des Ehepaares.

Da es laut Krankenakte keine Besserung gab, wurde Elsa Spartz schließlich am 29.8.1934 in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg verlegt. Hier verbrachte sie weitere sieben Jahre unter der Diagnose "Katatonie" (auch Starrsucht oder Stupor genannt, da Bewegungsabläufe gestört waren). Aus diesen Jahren gibt es so gut wie keine Aufzeichnungen über Elsa Spartz.

In der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg wurden bereits in den 1930er-Jahren Zwangssterilisationen an über 100 Patienten vorgenommen. Ob Elsa Spartz davon betroffen war, wissen wir nicht.

Ab Herbst 1939 mussten alle Heil- und Pflegeanstalten, Patienten mit körperlichen, geistigen und seelischen Erkrankungen an die Zentraldienststelle in Berlin, Tiergartenstraße 4, melden (Aktion T4). Dort entschieden Gutachter über das Schicksal der Patienten. Über 70 000 Patienten fielen diesem Programm zum Opfer. Sie wurden zur Verschleierung des Mordgeschehens in sogenannte Zwischenanstalten und von dort in Tötungsanstalten transportiert. Aus Lüneburg wurden zwischen 1940 und 1941 im Zuge der Aktion T4 fast 500 Patienten (sog. Ballastexistenzen) überführt.
(Zudem wurden in der 1941 eingerichteten "Kinderfachabteilung" über 300 Kinder mit Luminal oder Morphium getötet.)

Elsa Spartz gehörte zu den Patientinnen und Patienten, die von Lüneburg aus in die Zwischenanstalt Herborn transportiert wurden.

Am 30.4.1941 dort eingeliefert, wurde sie von dort am 16.6.1941 in die Tötungsanstalt Hadamar gebracht, wo sie noch am selben Tag ermordet wurde.

Im August 1941 wurde nach Protesten die "Euthanasie"-Aktion offiziell gestoppt. Doch in den Zwischenanstalten und Tötungsanstalten wurde weiter gemordet: Durch Essensentzug, Injektionen, überdosierte Medikamente oder Vernachlässigung.

Heinrich Spartz wurde im Mai 1937 Mitglied der NSDAP. Es ist anzunehmen, dass er Kenntnisse von diesen Vorgängen hatte, aber er unternahm keinen Rettungsversuch seiner Frau. Er selber kam im Oktober 1944 um’s Leben, als er nach starken Bombardierungen versuchte, Verschütteten im Krankenhaus Mariahilf zu Hilfe zu kommen.

Der gemeinsame Sohn nahm sich in den 1950er Jahren das Leben, die Tochter wurde Kinderärztin in Kiel. Sie starb erst im zweiten Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende.

Stand: September 2026
© Christiane Schnell

Quellen: Niedersächsisches Landesarchiv Hannover Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/066 Nr. 09518; Adreßbuch Harburg-Wilhelmsburg 1928 und 1934; geschichte-raum-geben.de; k1.gedenkstätte-lg.de; Auskunft Gedenkstätte Lüneburg am 7.5.2024; https://gedenkort-t4.eu/historische-orte/landesheil-und-pflegeanstalt-herborn-vitos-herborn (Zugriff 21.9.2026); https://geschichte-raum-geben.de/ehe/ (Zugriff 29.9.2026); https://geschichte-raum-geben.de/wp-content/uploads/2021/01/Ehe-1.pdf (Zugriff 29.9.2026) https://www.gedenkstaette-hadamar.de/ (Zugriff 21.9.2026); E-Mail-Auskunft Gedenkstätte Hadamar (Michel) v. 19.1.2026; zu Max Nonne siehe https://hamburg-ns-dabeigewesene.de/item/40--max-nonne (Zugriff 29.9.2026).

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