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Wilhelm Ohse * 1887
Winsener Straße 62 (Harburg, Wilstorf)
HIER WOHNTE
WILHELM OHSE
JG. 1887
EINGEWIESEN 1937
HEILANSTALT LÜNEBURG
HERBORN
´VERLEGT` 21.5.1941
HADAMAR
ERMORDET 21.5.1941
´AKTION T4‘
Wilhelm Ohse, geb. am 4.2.1887 in Wilhelmsburg, Einweisung in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg am 9.1.1937, ´verlegt` am 23.4.1941 in die Heil- und Pflegeanstalt Herborn, am 21.5.1941 `verlegt´ in die Tötungsanstalt Hadamar, dort ermordet am 21.5.1941.
Winsener Straße 62, Stadtteil Harburg/Wilstorf
Wilhelm (Willi) Ohse lebte mit seiner Frau Frieda in der Winsener Straße 62. Von Beruf war er Eisendreher. Über das vorherige Leben der Ehepartner wie das des Ehepaares geben die Akten keine Auskunft.
Wegen psychischer Auffälligkeiten wurde Wilhelm Ohse im Dezember 1936 in die Städtischen Krankenanstalten Harburg-Wilhelmsburg eingeliefert. Dort wurde eine Dementica paralytica (= späte Folge einer Syphiliserkrankung) diagnostiziert. Bei dieser Krankheit kommt es zu Persönlichkeitsstörungen, Demenz und Lähmungen. Behandelt wurde er – wie damals üblich - mit einer Malaria-Kur, die 80% der Patienten mit diesen Symptomen geholfen haben soll. Bei Wilhelm Ohse zeigte die Behandlung keine Wirkung.
In einem ärztlichen Gutachten vom 31. Dezember 1936 heißt es, der Patient sei "örtlich und zeitlich völlig desorientiert" und daher "für sich und andere eine Gefahr". Seine "Überführung in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg sei dringend geboten".
Am 9. Januar 1937 wurde Wilhelm Ohse in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg eingewiesen, er machte "bei der Aufnahme keine Schwierigkeiten". Über seinen weiteren Aufenthalt dort und über den Krankheitsverlauf sind keine Akten erhalten.
In der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg wurden bereits in den 1930er-Jahren Zwangssterilisationen an über 100 Patienten vorgenommen. Vermutlich gehörte Wilhelm Ohse dazu.
In der 1941 eingerichteten "Kinderfachabteilung" wurden über 300 Kinder mit Luminal oder Morphium getötet.
Ab Herbst 1939 wurde die Lüneburger wie alle Heil- und Pflegeanstalten verpflichtet, Patienten mit körperlichen, geistigen und seelischen Erkrankungen an die Zentraldienststelle in Berlin, Tiergartenstraße 4, zu melden (Aktion T4). Dort entschieden Gutachter über Leben und Tod der Kranken. Über 70 000 Patienten fielen dem Krankenmord zum Opfer.
Aus Lüneburg wurden zwischen 1940 und 1941 im Zuge der Aktion T4 fast 500 Patienten (sogenannte Ballastexistenzen) in die verschiedenen Zwischenanstalten und von dort in die Tötungsanstalten überführt.
Am 23. April 1941 betraf dieses Schicksal auch Wilhelm Ohse: Er wurde in die Heil- und Pflegeanstalt Herborn `verlegt` und von dort am 21. Mai 1941 – zusammen mit sechs weiteren Patientinnen und Patienten aus Harburg – in die Tötungsanstalt Hadamar verbracht. Direkt nach ihrer Ankunft wurden die Patienten in der Gaskammer ermordet.
Wilhelm Ohse starb am 21. Mai 1941
Ob seine Angehörigen benachrichtigt wurden und was mit seinen sterblichen Überresten geschah, ist nicht bekannt.
Zwischen dem 13. Januar und dem 24. August 1941 wurden in Hadamar 10.122 Menschen vergast, `desinfiziert` wie es im Amtsdeutsch genannt wurde. Nach dem offiziellen Stopp der "Euthanasie" wurde in den Zwischen- und den Tötungsanstalten weitergemordet: Durch Essensentzug, Injektionen mit Veronal, Luminal, Morphium oder Luft.
Stand: September 2026
© Margrit Rüth
Quellen: Niedersächsisches Landesarchiv Hann. 155 Lüneburg Acc 2004/066 Nr. 08279; Einwohnerbuch für Harburg-Wilhelmsburg 1937; https://hamburger-euthanasie-opfer.de/ (Zugriff 21.9.2026); https://gedenkort-t4.eu/historische-orte/landesheil-und-pflegeanstalt-herborn-vitos-herborn (Zugriff 21.9.2026); https://www.gedenkstaette-hadamar.de/ (Zugriff 21.9.2026); Auskunft Gedenkstätte Lüneburg 7.5.2024; Bundesarchiv R 179/26988; E-Mail-Auskunft Gedenkstätte Hadamar (Michel) v. 19.1.2026.

