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Max Bordell * 1883
Schorchtstraße 23 (Harburg, Harburg)
HIER WOHNTE
MAX BORDELL
JG. 1883
EINGEWIESEN 5.2.1931
HEILANSTALT LÜNEBURG
HERBORN
´VERLEGT‘ 21.5.1941
HADAMAR
ERMORDET 21.5.1941
´AKTION T4‘
Max Bordell, geb. am 4.5.1883 in Breslau, Einweisung in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg am 5.2.1931, `verlegt´ in die Zwischenanstalt Herborn am 23.4.1941, `verlegt´ in die Tötungsanstalt Hadamar am 21.5.1941, dort ermordet am 21.5.1941
Schorchtstraße 23, Stadtteil Harburg
Es ist nicht viel, was wir über Max Bordells Leben wissen. Er war Arbeiter und das ärztliche Gutachten, das am 3.2.1931 von einem Arzt des Harburger Krankenhauses verfasst wurde, beschreibt zunehmende motorische Unruhe und Erregungszustände, die auch durch Narkotika nicht vollständig gedämpft werden konnten. Vermutlich war es Max Bordells Ehefrau Ellie Bordell, die ihn am 28.1.1931 ins Krankenhaus hatte einliefern lassen, wo er sich nur wenige Tage befand:
Am 4.2.1931 wurde schließlich die Aufnahme in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg veranlasst und genehmigt, die am Tag darauf stattfand. Über die zehn Jahre, die Max Bordell dort verbrachte, existieren keine Dokumente mehr. Sämtliche Informationen stammen aus dem ärztlichen Gutachten des Harburger Krankenhauses vom 3.2.1931.
Inzwischen übernahmen die Nationalsozialisten die Macht und erließen neue bedrohliche Maßnahmen, die Menschen mit psychischen oder physischen Behinderungen betrafen.
Der erste markante Punkt auf dem Weg zur systematischen Vernichtung "lebensunwerten" Lebens war das im Juli 1933 erlassene Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. Dieses ermöglichte die Zwangssterilisation von bis zu 400.000 Menschen, an deren Folgen viele auch starben. Vermutlich war auch Max Bordell von der Zwangssterilisation betroffen, aber mangels Unterlagen wissen wir dies nicht mit Sicherheit.
Im Herbst 1939 ermächtigte Hitler seinen Leibarzt Karl Brandt und Philipp Bouhler (Leiter der Kanzlei des Führers, KdF) an "unheilbar Kranken" den "Gnadentod" ausführen zu lassen. Die KdF beherbergte die Zentrale des euphemistisch "Euthanasie" genannten Massenmords in der Berliner Tiergartenstraße 4. Daher erhielt die Mordaktion später den Namen "T4". Die deutschen Heil- und Pflegeanstalten wurden nun angewiesen, arbeitsunfähige, pflegeaufwendige und »störende« Patientinnen und Patienten dorthin zu melden. Mehrere ärztliche Gutachter selektierten dann anhand dieser Meldebögen, wer in den Krankenmord einbezogen werden sollte. Um die klare Absicht des Tötens zu verschleiern, wurden die Patienten zunächst in Zwischenanstalten geschickt. Dazu wurden reichsweit 25 Anstalten bestimmt, unter anderem im Bereich Herborn. Erst in einem zweiten Schritt wurden die Betroffenen dann von dort in eine der sechs Tötungsanstalten transportiert. Eine davon war Hadamar in Hessen. Hier wurden sie in der Regel noch am selben Tag mit Gas erstickt. Diese Phase der Krankenmorde dauerte von 1939 bis August 1941.
Der inzwischen 58jährige Max Bordell wurde am 23.4.1941 von Lüneburg nach Herborn und von dort nach knapp einem Monat am 21.5.1941 in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt und vermutlich am selben Tag in der Gaskammer ermordet.
Nachdem die Unruhe in der Bevölkerung gewachsen war, erfolgte der offizielle Stopp der Krankenmordaktion. Das Töten hingegen endete nicht. Es geschah jetzt in den Zwischenanstalten und Ursprungsanstalten auf subtilere Weise, indem man die Menschen verhungern und erfrieren ließ, sich nicht um sie kümmerte, ihnen zu viel oder überdosiert Medikamente verabreichte, es gab zahlreiche Wege.
Insgesamt 481 Patientinnen und Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg wurden ermordet, Max Bordell war einer von ihnen.
Stand: September 2026
© Christiane Schnell
Quellen: Niedersächsisches Landesarchiv Hann 155 Lüneburg Acc. 2004/066/Nr.07614; Adressbuch für Harburg-Wilhelmsburg 1931; schriftliche Auskunft Gedenkstätte Lüneburg (Liste der Harburger Opfer) 7.5.2024; https://lueneplaner.de/alle-kategorien/gedenkstaette/ (Zugriff 3.9.2026); zu Zwischenanstalten: https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/fdkn-141971 (Zugriff 3.9.2026); E-Mail-Auskunft Gedenkstätte Hadamar (Michel) v. 19.1.2026.

