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Bereits verlegte Stolpersteine



Alfred Wolff
© Ray Fromm

Dr. Alfred Wolff * 1880

Maria-Louisen-Straße 114 (Hamburg-Nord, Winterhude)


HIER LERNTE
DR. ALFRED
WOLFF
JG. 1880
VERSORGUNG MIT
MEDIKAMENTEN VERHINDERT
TOT 30.11.1941

Weitere Stolpersteine in Maria-Louisen-Straße 114:
Dr. Otto H. Bauer, Dr. Wilhelm Blitz, Oscar Bünemann, Franz Daus, Dr. Ernst Delbanco, Günter Eichholz, Egon Giordano, Ralph Giordano, Dr. Richard Hoffmann, Moses Karlsberg, Dr. Ernst Kaufmann, Dr. Leo Lippmann, Max Lippmann, Kurt Georg Mehrgut, Wolfgang Moser, Dr. Joseph Norden, Dr. Friedrich Oettinger, Dr. Franz Oppens, Dr. Paul Oppens, Johannes Prassek, Dr. John Rittmeister, Dr. Thomas G. Rosenmeyer, Hans Vincent Scharlach, Dr. Leopold Winterfeld, Hugo Wolfers, Ludwig Wolff

Alfred Wolff, geb. 14.12.1880, "ermordet durch Entzug von Medikamenten", Todesdatum 30.11.1941

Schlüterstraße 22
Trostbrücke 2-6
Maria-Louisen-Straße 114 (Schule)

Bianca Wolff, geb. 6.12.1887, am 19.7.1942 nach Theresienstadt und am 29.1.1943 nach Auschwitz deportiert

Schlüterstraße 22

Alfred W., Sohn eines Apothekers, hatte in Hamburg die Gelehrtenschule Johanneum besucht. Er studierte von 1899 bis 1902 in Berlin, Genf, München und Kiel, legte sein Erstes Staatsexamen 1903 in Kiel ab, wurde im selben Jahr promoviert und bestand 1906 das Zweite Staatsexamen in Hamburg. Seinen Versuchen, in den Staatsdienst zu gelangen, war einige Jahre wenig Erfolg beschieden, was ihn deprimierte, zumal er 1908 heiraten wollte. Aus der Personalakte wird deutlich, daß seine Zugehörigkeit zur "mosaischen Konfession" den Vorgesetzten Probleme bereitete.

Doch ab 1910 amtierte der Jurist als Landrichter. Das Ehepaar bekam die Tochter Jolanthe. Alfred W. hatte sich – so sein Enkel – während des Ersten Weltkrieges bei einem Gasangriff ein Leiden zugezogen, von dem er sich zeitlebens nicht erholte.

Nach dem Krieg wechselte er in die Wirtschaft als Banksyndikus und arbeitete ab 1925 als Rechtsanwalt. Als nach dem Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft den jüdischen Rechtsanwälten Berufsverbot erteilt wurde, gehörte er zu den Ausnahmen, weil er als Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges galt.

Alfred W. praktizierte von 1932 bis 1935 in der Moorweidenstr. 7 und von 1936 bis 1938 in der Schlüterstr. 22, beides sowohl Wohn- wie Praxisadresse. Wegen seines Leidens mußte er – so sein Enkel - bestimmte Medikamente einnehmen, die ihm nach Kriegsausbruch nicht mehr verschrieben worden seien. Als Folge dessen sei er früher verstorben als es bei angemessener medikamentöser Versorgung der Fall gewesen wäre. Tatsächlich verboten Erlasse den Ärzten, Juden "hochwertige Medikamente" zu verordnen.

Alfred W. wurde auf dem jüdischen Friedhof an der Ilandkoppel (Ohlsdorf) begraben. Die Tochter des Ehepaares, Jolanthe, hatte Hamburg im März 1939 gerade noch rechtzeitig verlassen können: Verwandte in England bürgten für sie, so daß sie einreisen und als Dienstmädchen arbeiten durfte.

Ihre Mutter Bianca W. blieb nach ihrer Abreise und dem Tod des Ehemannes allein zurück. Sie zog in die Innocentiastr. 37, wo sie den Deportationsbefehl nach Theresienstadt erhielt. Von dort wurde sie am 29. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie am 1. Februar eintraf und ermordet wurde.

© Beate Meyer

Quellen: StaH, 522-1, Jüdische Gemeinden, 992b, Kultussteuerkartei der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburgs; ebd., 131-15, Senatskanzlei – Personalakten C 512; Heiko Morisse, Jüdische Rechtsanwälte in Hamburg. Ausgrenzung und Verfolgung im NS-Staat, Hamburg 2003, Auskunft ders. v. 18.11.2005; Hamburger jüdische Opfer des Nationalsozialismus. Gedenkbuch, Hamburg 1995; Joseph Walk (Hrsg.), Das Sonderrecht für die Juden im NS-Staat, Heidelberg/Karlsruhe 1981; Schr. R.F. an Peter Hess v. 25.11.2002, tel. Auskunft R.F. v. 17.11.2005.

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