Namen, Orte und Biografien suchen


Bereits verlegte Stolpersteine



Hannelore Justus * 1923

Großneumarkt 38 (vorm. Schlachterstraße) (Hamburg-Mitte, Neustadt)


HIER WOHNTE
HANNELORE JUSTUS
JG. 1923
DEPORTIERT 1941
GHETTO MINSK
ERMORDET

Weitere Stolpersteine in Großneumarkt 38 (vorm. Schlachterstraße):
Hanna Aghitstein, Julie Baruch, Ludwig Louis Baruch, Helene Biskupitzer, Julius Blogg, Rebecca Blogg, Kurt Cossmann, Mathilde Cossmann, Frieda Dannenberg, Jenny Falck, Rosalie Falck, Leopold Falck, Alice Graff, Leopold Graff, Flora Halberstadt, Elsa Hamburger, Herbert Hamburger, Louis Hecker, Max Hecker, Marianne Minna Hecker, Lea Heymann, Alfred Heymann, Wilma Heymann, Paul Heymann, Alice Rosa Holländer, Gustav Holstein, Johanna Holstein, Ferdinand Justus, Ida Justus, Jettchen Kahn, Adolf Kahn, Curt Koppel, Johanna Koppel, Bernhard Leiserowitz, Gertrud Leiserowitz, Hannchen Liepmann, Henriette Liepmann, Bernhard Liepmann, Heinz Lippmann, Johanna Löwe, Robert Löwenthal, Minna Meierstein, Marianne Melhausen, Martin Moses, Julius Pilatus, David Pollak, Adolf Julius Posner, Ida Prager, Anna Prager, Siegmund Rittlewski

Ferdinand Justus, geb. 22.5.1877 in Nieder-Ohmen, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk
Hannelore Justus, geb. 17.11.1923 in Hamburg, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk
Ida Justus, geb. Fleischhauer, geb. 1.9.1887 in Adelsdorf, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk

Großneumarkt 38 (Schlachterstraße 46/47)

Jenny Justus, geb. Cohn, geb. 30.12.1883 in Demmin, deportiert am 18.11.1941 nach Minsk

Großneumarkt 38 (Schlachterstraße 34)

Die Eltern von Ferdinand Justus, der Viehhändler Löb Justus (gest. 27.4.1912) und Hannchen, geb. Adler, lebten bei der Geburt ihres Sohnes in Nieder-Ohmen im heutigen Ortsteil Mücke in Hessen, wo sich etwa im 16. Jahrhundert eine kleine Jüdische Gemeinde etabliert hatte. Wann Ferdinand Justus seine Heimat verließ, ist nicht bekannt. Er lebte als Gemüsehändler in der Heinrich-Barth-Straße 7 in Hamburg, als er am 7. Februar 1910 heiratete. Seine Braut Jenny Cohn, die Tochter des Tabakmaklers Julius Cohn und Hedwig, geb. Davidsohn, stammte aus Demmin, einer Kleinstadt in der preußischen Provinz Pommern.

Das Ehepaar Justus wohnte 1912 in der Hoheluftchaussee 10/12. Seit 1913 zahlte es Kultussteuern an die Jüdische Gemeinde. 1914 erfolgte wohl aus wirtschaftlichen Gründen der Umzug in das Lazarus-Gumpel-Stift in der Schlachterstraße 46/47, Haus 2. Ferdinand Justus, der als Soldat am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte, war nach seiner Rückkehr als Bote tätig, bis er in seinen erlernten Beruf als Schlachter zurückfand. Am 18. Mai 1920 ließ sich das kinderlose Ehepaar scheiden. Jenny Justus zog einige Häuser weiter und führte ihren eigenen Haushalt in der Schlachterstraße 34, Haus 2. Dort war sie in den Hamburger Adressbüchern der folgenden Jahre mit der Berufsbezeichnung Verkäuferin und zuletzt als Reinmachefrau verzeichnet.

Am 5. Februar 1923 ging Ferdinand Justus eine zweite Ehe mit Ida Fleischhauer aus der Wexstraße 36 ein. Die Tochter des Viehhändlers Benjamin Fleischhauer und Karolina/Rosaline, geb. Prager, war unter mehreren Geschwistern in Adelsdorf im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchsradt aufgewachsen. Am 17. November 1923 kam ihre gemeinsame Tochter Hannelore zur Welt, über die lediglich bekannt ist, dass sie 1941 einen Schneiderkurs, wahrscheinlich an der Jüdischen Fachschule für Schneiderinnen in der Heimhuderstraße besuchte. Diese Einrichtung wurde auch als Hachscharastätte anerkannt. Vielleicht hatte Hannelore noch gehofft, nach Palästina emigrieren zu können.

Familie Justus erhielt für den 8. November 1941 ihren Deportationsbefehl ins Getto Minsk.

Jenny Justus, Ferdinands erste Frau, wurde mit der Berufsbezeichnung "Kartoffelschälerin" auf die Liste für den nächsten Hamburger Transport am 18. November 1941 nach Minsk gesetzt. Keiner von ihnen überlebte.

Zwei von Ida Justus’ Geschwistern lebten noch in Hamburg. Ihr jüngerer, verwitweter Bruder Max Fleischhauer (geb. 12.4.1878) zog es vor, einen Tag vor ihrem gemeinsamen Abtransport nach Minsk seinem Leben selbst ein Ende zu setzen. In der Rappstraße 16 erinnert ein Stolperstein an ihn (s. www.stolpersteine-hamburg.de).

Die Schwester, Gunda Gutjahr, geb. Fleischhauer (geb. 16.4.1884), wohnte mit ihrem Ehemann, dem Großschlachter Hermann Gutjahr (geb. 9.5.1878 in Stockstadt) in der Wohldorferstraße 14 in Barmbek, wo sie ein Abzahlungsgeschäft betrieben. Gemeinsam mit ihrer Tochter Hildegard (geb. 10.5.1925) wurden sie am 19. Juli 1942 aus dem "Judenhaus" in der Schlachterstraße 46/47 nach Theresienstadt deportiert. Dort erlebte das Ehepaar Gutjahr seine Befreiung, Tochter Hildegard hingegen starb am 8. Februar 1943 im Getto an Hungertyphus. An sie erinnert ein Stolperstein in der Wohldorfer Straße 14.

Noch drei weitere der insgesamt zehn Geschwister Fleischhauer, die in Adelsdorf, in Würzburg und Frankfurt am Main lebten, wurden deportiert und ermordet. Eine weitere Schwester nahm sich in München das Leben.

Stand: Juli 2018
© Susanne Rosendahl

Quellen: 1; 4; 5; StaH 332-5 Standesämter 8668 u 18/1910; StaH 332-5 Standesämter 3457 u 86/1923; StaH 332-5 Standesämter 8174 u 372/1941; StaH 331-5 Polizeibehörde-Unnatürliche Sterbefälle 3 Akte 1942/52; StaH 351-11 AfW 7334 (Gutjahr, Gunda); StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e 2 Band 2; StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e 2 Band 3; StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e 2 Band 5; diverse Hamburger Adressbücher; www.ancestry.de (Sterberegister von Löb Justus am 17.4.1912 in Nieder-Ohmen, Zugriff 25.9.2017).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

druckansicht  / Seitenanfang