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Junge Martinuk * 1945
Röpraredder 59 (Bergedorf, Lohbrügge)
JUNGE MARTINUK
TOTGEBURT 24.5.1945
MUTTER IN ZWANGSARBEIT
STOCKSCHE ZIEGELEI
Der Junge Martinuk wurde am 24.5.1945 in Hamburg tot geboren.
Röpraredder 59, Bushaltestelle Korachstraße (Bergedorf, Lohbrügge), ehemals Lager Ziegelei August Stock
Der Knabe mit dem Nachnamen Martinuk kam am 24. Mai 1945 in Hamburg tot zur Welt. Er erhielt keinen Vornamen. Seine Mutter Katharina Martinuk geb. Schentschenko, geb. am 7.6.1922, war verheiratet mit Pawel Martinuk, geb. am 2.2.1924, beide stammten aus Kamenz-Podolsk und waren römisch-katholischen Glaubens. Aus ihrer Heimat Ukraine verschleppt, musste Pawel Martinuk zunächst seit dem 29. Juli 1943 bei der Firma Hans Grothkopf in Henstedt-Segeberg Zwangsarbeit leisten.
Am 13. September 1943 wurde er als "landwirtschaftlicher Arbeiter" zur Zwangsarbeit weiter an die Ziegelei August Stock, Redder 59, in Lohbrügge vermittelt. Seine Ehefrau Katharina Martinuk kam zehn Tage später, am 23. September, ebenfalls dort zur Zwangsarbeit in die Stocksche Ziegelei.
Während dieser Zeit wurde sie dort schwanger. Kurz nach Kriegsende kam sie einen Tag vor der Entbindung in das Allgemeinen Krankenhaus Bergedorf. Am nächsten Tag brachte sie am 24. Mai 1945 um 11:45 ihren Knaben als Totgeburt zur Welt.
Die Todesursache lautete "weiße Asphyxie" (In der Phase der sekundären Apnoe ist der Blutdruck niedrig, die Kinder erscheinen weiß, daher wurde früher auch der Begriff "weiße Asphyxie" verwendet)
Ihr Knabe wurde am 1. Juni 1945 auf dem Neuen Friedhof in Hamburg Bergedorf beigesetzt, Grablage: Abteilung 38, Nr. 516, zu Fuß.
Am Tag darauf wurde Katharina Martinuk aus dem Wochenbett entlassen.
Das Ehepaar Martinuk kam danach am 15. Juni 1945 vom Röpraredder in das DP-Lager Wentorf. Das Lager Bismarckkaserne in Wentorf, Krs. Stormarn, wurde nach dem Krieg mit Hilfe der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) für "Displaced Persons" eingerichtet.
Ihr weiteres Schicksal konnte bisher nicht weiterverfolgt werden.
In einer Nachkriegsliste von 1946 des Eigentümers August Stock sind 90 Zwangsarbeiter aufgeführt, die in der Dampfziegelei August Stock arbeiten mussten, 65 Polen, 5 Russen, bzw. Ukrainer, 17 Tschechen und 2 Ungarn. Dazu ist nur eine Frau, die Russin Katharina Martinuk, angegeben.
Stand: April 2026
© Margot Löhr
Quellen: StaH 332-5 Standesämter, Sterberegister 10511 u. 493/1945 Martinuk, Knabe; StaH 332-8, A 48 Alphabetische Meldekartei der Ausländer 1939–1945, 741-4 Fotoarchiv, K 4598; Arolsen Archives, Doc: 70641947 Friedhof Bergedorf, 70644984, 70987594, 73610601, 73644984, 76637621, 70645280; www.zwangsarbeit-in-hamburg.de, eingesehen 12.2.2022.

