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Bereits verlegte Stolpersteine



Magda Riquarts * 1912

Schwenckestraße 94 (Eimsbüttel, Eimsbüttel)


HIER WOHNTE
MAGDA RIQUARTS
JG. 1912
EINGEWIESEN 1939
HEILANSTALT LANGENHORN
"VERLEGT" 25.8.1942
HEILANSTALT ILTEN
ERMORDET 25.12.1942

Magda Helene Emilie Riquarts, geboren 4.2.1912, in der Staatskrankenanstalt Friedrichsberg 1930 aufgenommen, von der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn "verlegt" am 25.8.1942 nach Ilten, ermordet am 25.12.1942

Schwenckestraße 94, Eimsbüttel

Am 4. Februar 1912 wurde Magda Helene Emilie Riquarts in Hamburg geboren. Ihre Eltern waren Otto Adolph Alfred Riquarts und Helene Margarethe, geborene Höck. Magda wuchs gemeinsam mit ihren Geschwistern Wilma Helene Emilie, geboren am 8. März 1905, und Hans Joachim, geboren am 23. August 1918, in einfachen Verhältnissen auf. Die Familie zog zunächst nach Eimsbüttel und wohnte ab 1916 in der Schwenckestraße 94.

Der Vater Otto Riquarts war als Angestellter im Wohlfahrtsamt der Stadt Hamburg beschäftigt. Trotz seines festen Arbeitsplatzes geriet die Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten. So beantragte Otto Riquarts, als mehrere der Kinder an Lungenerkrankungen litten, 1922 die Weitergewährung des Kinderzuschlags für die 17jährige Wilma. Das Wohlfahrtsamt lehnte den Antrag allerdings ohne Begründung ab.

Magda Riquarts besuchte die Volksschule, konnte ihre Schulzeit jedoch nicht regulär abschließen. Nachdem sie die vierte Klasse wiederholen musste, verließ sie die Schule vorzeitig. Später arbeitete sie in einem Haushalt, wie es für Mädchen zu dieser Zeit üblich war. In den Dokumenten wird sie als "Haustochter" bezeichnet. Später fand sie eine Anstellung in einer Konditorei, gab diese jedoch nach wenigen Monaten wieder auf, weil die körperliche Arbeit sie überforderte.

Wer Magda kannte, beschrieb sie als stille, freundliche und hilfsbereite junge Frau. Sie galt als fleißig, zurückhaltend und nachdenklich.

Sie zog im Januar 1929 zu dem 21jährigen Günther Neddermeyer, wohnhaft in Altona, Lohmühlenstraße 2 (heute Esmarchstraße) und verlobte sich mit ihm. Er arbeitete als Elektriker.

Am 22. März 1930 wurde sie erstmalig in der Heil- und Pflegeanstalt Friedrichsberg vorstellig. Ihrem Verlobten war aufgefallen, dass sie seit Januar 1930 in unzusammenhängenden Sätzen sprach und auf Fragen nicht mehr antwortete. Sie sprach viel davon Kinder zu bekommen. Vermutlich hatte sie einen unerfüllten Kinderwunsch.

Die Gründe für die Aufnahme in Friedrichsberg lauteten "mangelnde Initiative, Autismus, akustische Wahrnehmungsstörungen, affektlose und läppische Heiterkeit". Zudem hörte sie Stimmen, die ihr Vorwürfe machten. Überraschenderweise hatte sie in Friedrichsberg einen sehr guten Schlaf und sie beteiligte sich an der Arbeit in der Nähstube mit Klöppeln. Der Arzt diagnostizierte eine gelegentlich auftretende atypische depressive Phase. Am 4. August 1930 wurde sie aus der Klinik Friedrichsberg entlassen.

Sie trennte sich von ihrem Verlobten, zog aus der gemeinsamen Wohnung in der Lohmühlenstraße 2 aus und kehrte in die elterliche Wohnung Schwenckestraße 94 zurück. Doch offensichtlich ging es ihr nicht gut: Wegen Ängsten und depressiven Verstimmungen mit Suizidgedanken verließ sie die Wohnung nicht mehr.

1933 zog die Familie Riquarts in die Koldingstraße 4 nach Altona.

Da Magda Riquarts nach wie vor unter anhaltenden Depressionen litt, wurde sie erneut bei den Ärzten vorstellig. Diese legten ihr eine Aufnahme in eine Pflege- und Heilanstalt zur Behandlung der Depressionen nahe.

Am 9. April 1939 wurde sie in die Klinik Eilbektal eingewiesen. Neben einer Insulinkur erhielt sie dort auch eine Cardiazol-Schocktherapie, die seinerzeit als übliche Behandlung gegen Depressionen und ängstlichen Verstimmungen eingesetzt wurde und bei Magda Riquarts erfolglos blieb. Dennoch wurde sie nach der Behandlung am 15. Juni 1939 entlassen.

Nun suchte sie den Arzt Dr. Kögler auf, der bei ihr eine "unnatürliche Ausdrucks- und Affektstörung" feststellte. Die Diagnose lautete "psychogener (situationsbedingter) mongoloider Zustand”. Der Arzt war sich jedoch nicht sicher, ob seine Diagnose zutraf und überwies sie an die Pflege- und Heilanstalt Langenhorn. Magda Riquarts wurde dort am 27. Juli 1939 aufgenommen. Der aufnehmende Arzt bescheinigte ihr eine zunehmende Depression. Im Gespräch mit dem Arzt zeigten sich auch Stimmungsschwankungen. Sie zeigte im Ausdruck Grimassen und schilderte Situationen, die von dem Arzt als Halluzinationen gedeutet wurden. Der Arzt stellte als Diagnose "schizophrene Hebephrenie" oder "Cyclothymie" fest. Auch dieser Arzt äußerte Zweifel an der Richtigkeit seiner Diagnose. Trotzdem wurde Magda Riquarts am 7. Februar 1940 aus Langenhorn entlassen. (Die Hebephrenie ist eine Form der Schizophrenie, die vor allem das Gefühlsleben und Verhalten beeinflusst. Die Cyclothymie zählt zu den bipolaren Erkrankungen und ist durch wechselnde depressive und gehobene Stimmungslagen gekennzeichnet.)

Am 8. März 1941 wurde Magda Riquarts erneut in der Klinik Eilbektal aufgenommen. Untersuchungen gab es keine mehr. Der behandelnde Arzt Dr. Saupe, ein medizinischer Gutachter, schrieb lediglich Berichte über ihren Zustand. Entlassen wurde sie dann am 12. Juni 1941 mit der Diagnose "schizophrener Endzustand Hebephrenie".

Magda Riquarts zeigte sich während ihres Klinikaufenthalts als sehr unruhig und äußerte immer wieder den Wunsch, nach Hause zurückzukehren. Zeitweise verweigerte sie die Nahrungsaufnahme, schlief schlecht und rief nachts um Hilfe.

Magda Riquarts, die bei ihrer Entlassung aus der Klinik Eilbektal, bei einer Größe von 1.60 m nur noch 45 kg wog, wurde mit einem Sammeltransport von Eilbek wieder in die Heil- und Pflegeanstalt nach Langenhorn zurückverlegt.

Am 25. August 1942 wurde sie mit 19 weiteren Frauen und 45 Männern von Langenhorn in die "Heil – und Pflegeanstalt" Ilten gebracht und dort im Frauenpflegehaus einquartiert. Die Einrichtung war während der ersten Phase der "Euthanasie" als Zwischenanstalt eingebunden. Nach deren Beendigung, gingen die Tötungen in den vormaligen Zwischenanstalten weiter.

Der Iltener Arzt stellte zunächst fest, dass Magda Riquarts körperlich gesund und psychisch voll orientiert war. Sie zeige im Gespräch mit ihm Grimassen und ein verlegenes Lächeln. Er diagnostizierte auch "läppisches Verhalten".

Im folgenden Bericht über den Krankheitszustand hieß es: Plötzliche Schreiattacken, kratzt sich die Haut blutig, ruckt und zuckt mit den Gliedern.

Ca. zwei Wochen nach ihrer Ankunft, am 3. November 1942, erkrankte Magda Riquarts schwer und wurde bettlägrig. Die Krankheitsursache kennen wir nicht. Bei der ärztlichen Untersuchung wurden Knöchelödeme sowie eine ausgeprägte Kreislaufschwäche festgestellt. Zudem litt sie unter starker innerer Unruhe und erheblichen Schlafstörungen.

Am 25. Dezember 1942 starb die 30jährige Magda Riquarts in der "Heil- und Pflegeanstalt" Ilten, vermutlich an Unterernährung. In ihrer Sterbeurkunde wurde als Todesursache "Kreislaufschwäche" angegeben. Beigesetzt wurde sie am 28. Dezember 1942 in Ilten.
Den Verlegungen von Langenhorn nach Ilten kommt im Kontext der "Euthanasiemorde" eine besondere Bedeutung zu, denn die Iltener Dr. Ferdinand Wahrendorff’sche Privatklinik war die einzige private Anstalt, in die mehrere Transporte größeren Umfangs aus Langenhorn erfolgten.

Eigentlich sollte der Stolperstein an Magda Riquarts vor ihrem letzten Wohnort in der Koldingstraße 4 erinnern. Das Haus wurde im 2. Weltkrieg schwer beschädigt und musste abgerissen werden. Aus diesem Grund, wurde entschieden den Stolperstein vor ihrem früheren Wohnhaus in der Schwenckestraße 94 zu verlegen.

Stand: August 2026
© Bärbel Klein

Quellen: StaH 352-8/7 Staatskrankenanstalt Langenhorn Abl.1/1995_28641; 741-4 Fotoarchiv K 2389 (Koldingstraße); 332-5 115850 Geburtsurkunde Nr. 283/1912; Krankenakte Landesarchiv Hannover, Niedersächsisches Landesarchiv Hannover Mail Michaela Hayer vom 5.3.2026; Regina Marien-Lunderup, Die Transporte nach Ilten, in: Peter von Rönn u.a., Wege in den Tod, Hamburgs Anstalt Langenhorn und die Euthanasie in der Zeit des Nationalsozialismus, Hamburg 1993, S. 287-304.

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