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Julius Bass * 1907

Altonaer Straße 63 (Eimsbüttel, Eimsbüttel)


HIER WOHNTE
JULIUS BASS
JG. 1907
1941 KZ FUHLSBÜTTEL
1941/42 NEUENGAMME
ERMORDET 9.6.1942
HEILANSTALT BERNBURG

Weitere Stolpersteine in Altonaer Straße 63:
Simon Hermann Bass

Julius Bass, geb. am 27.2.1907 in Hamburg, 1941 und 1942 mehrfach in KZ-Haft, im Juni 1942 vom KZ Neuengamme in die Tötungsanstalt Bernburg überstellt, am 9.6.1942 dort ermordet
Simon Hermann Bass, geb. am 23.12.1873 in Hamburg, 1941 KZ Fuhlsbüttel, deportiert nach Minsk am 18.11.1941

Altonaer Straße 63

Julius Bass war der Sohn von Rosalie Bass, geb. Rothschild (geboren in Köln am 2.11.1875), und von dem Produktenhändler, Polsterer und "Tapezier" Simon Hermann Bass. Seine Mutter starb 1922. Ende des 19. Jahrhunderts wohnten die Eltern am Neuen Steinweg 60, später in Eimsbüttel in der Lindenallee 5 im Erdgeschoss.

In der Altonaer Straße 63 wohnte Julius Bass wahrscheinlich als Untermieter bei einer Familie Roßler. In der Steuerkartei der Deutsch-Israelitischen Gemeinde wurde er als Arbeiter geführt. Gemeinsam mit seinem Vater Simon Hermann Bass betrieb er einen Trödelladen, der sich seit 1922 im Keller des Hauses Vereinsstraße 18 befand. Zeitweise lebte Julius Bass auch in der Vereinsstraße 2, zusammen mit dem Vater, und in der Lindenallee 5. In der Kultussteuerkartei tauchen für das Jahr 1936 noch die Adressen Wilhelminenstraße 68 und Sophienallee 39 auf. Es ist gut möglich, dass er längere Zeit keine eigene Wohnung hatte, sondern als Untermieter häufiger die Unterkunft wechselte. Ende der 1930er Jahre ist er im Adressbuch dann mit einer "Prod.Hdlg." in der Vereinsstraße 2 eingetragen.

Julius Bass hatte zwei ältere Schwestern. Dora, verheiratete Dircks, überlebte die NS-Zeit und ist im Februar 1952 gestorben. Seine Schwester Bertha (geb. 1896) verließ Deutschland schon 1922 und lebte in den USA, wo sie verheiratet war. Julius besuchte die Realschule von Dr. Anton Rée bis zur Tertia, anschließend machte er eine dreieinhalbjährige Lehre als Elektriker. Nach Abschluss der Lehre war er zunächst für seinen Vater tätig und führte dann ab 1936 einen eigenen Laden.

Im September 1931 wurde Julius Bass Vater. Die Mutter seines unehelichen Sohnes Carl-Heinz, Margarethe Edelmann, war katholisch und nichtjüdischer Herkunft. Sie starb bereits 1934. Das Kind wurde von Julius Bass‘ Schwester und seinem Schwager Willy Dircks aufgezogen.

Am 17. Oktober 1938 wurde Julius Bass vom Landgericht Hamburg wegen "fortgesetzter Rassenschande" zu 42 Monaten Haft verurteilt. Er hatte 1937 sexuelle Beziehungen zu einer "deutschblütigen deutschen Staatsangehörigen" gehabt. Während des Prozesses machte er geltend, sein Vater sei nicht sein leiblicher Vater, denn seine Mutter habe eine außereheliche sexuelle Beziehung zu einem nichtjüdischen Mann gehabt, der sein Vater sei. Das Gericht glaubte ihm nicht. Zum Zeitpunkt der Urteilsverkündung war er schon zehn Monate in Untersuchungshaft gewesen. Vom 18. Oktober 1938 bis zum 16. Juni 1941 saß er im Zuchthaus Bremen-Oslebshausen und in der Strafanstalt Celle ein. Am 16. Juni 1941 hatte er seine Strafe verbüßt, kam jedoch nicht frei, sondern wurde von der Gestapo in "Schutzhaft" genommen und zunächst ins KZ Fuhlsbüttel, später dann ins KZ Neuengamme verbracht. Von dort wurde er als einer von 295 Neuengammer Häftlingen – mindestens 113 von ihnen waren jüdischer Herkunft und mindestens 31 waren deutsche Juden - in die Tötungsanstalt Bernburg im heutigen Sachsen-Anhalt überstellt, wo er am 9. Juni 1942 ermordet wurde. Sein Tod wurde im Sonder-Standesamt Neuengamme registriert unter Angabe einer fiktiven Todesursache. Angeblich starb er an einer Darmentzündung. Dieser Eintrag diente der Verschleierung, ist aber eine Spur der "Aktion 14 f 13". Julius Bass wurde mit Kohlenstoffmonoxid ermordet.

Am 20. Mai 1958 wurde die Verurteilung wegen "Rassenschande" vom Leitenden Oberstaatsanwalt beim Landgericht aufgehoben und im Strafregister getilgt.

Der Vater von Julius Bass, Simon Hermann Bass, war schon im Dezember 1936 wegen Verdachts der "Rassenschande" in Untersuchungshaft genommen und am 22. März 1937 zu einer Zuchthausstrafe von 18 Monaten verurteilt worden. Er wurde am 7. Februar 1941 im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel von der Gestapo in "Schutzhaft" genommen und am 18. November 1941 nach Minsk deportiert. Auf der Deportationsliste ist er unter den "Freiwilligen" aufgeführt mit der Berufsbezeichnung "Polsterer" und der Adresse Schlachterstraße 40.

© Susanne Lohmeyer

Quellen: 1; 3; 4; StaH 213-1 Oberlandesgericht Verwaltung Ablieferung 8 143 E, L4c; StaH 331-1, Abl. 15 vom 18.9.1984, Band 1; StaH 332-5 Standesämter, 2406 und 3783/1896; StaH 332-5, 856 + 548/1922; StaH 351-11 AfW AZ 210201; StaH 522-1 992e 2 Band 3 (Deportationslisten); Datenbank Neuengamme; HAB II 1937, 1939; HAB IV 1926; Christian Römmer, "Sonderbehandlung 14f13". Die Ermordung von Häftlingen des KZ Neuengamme in der Tötungsanstalt Bernburg, in: Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland, Bd. 11, hrsg. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Bremen 2009, S. 31–33.

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